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fünf oder ſechs Jahre ſpäter ſtarb. Sie ſtarb nicht, um ihren Gatten zu ſtrafen, aber wir werden ſpäter ſehn, daß ihr Tod eine wahre Strafe für ihn war.
Am folgenden Tage ſtattete ich Madame Varnier einen Beſuch ab, um ihr den Brief von Madame Morin zu über⸗ bringen. Ich wurde gut aufgenommen, und ſie hatte die Freundlichkeit, mir zu ſagen, ſie habe noch Niemand ſo leb⸗ haft wie mich kennen zu lernen gewünſcht, denn ihre Nichte habe ihr ſoviel von mir erzählt, daß ſie außerordentlich neu⸗ gierig geworden ſei. Man weiß, daß dieß die ſtärkſte Krank⸗ heit der Frauen iſt. Sie werden meine ſchöne Nichte ſehn, mein Herr, ſagte ſie, und werden von ihr ſelbſt Alles er⸗ fahren, was ſie und den Zuſtand ihres Herzens betrifft.
Sie ſchrieb augenblicklich ein Billet und legte den Brief, den mir Madame Morin mitgegeben, bei. Wenn Sie die Antwort meiner Nichte kennen lernen wollen, ſagte Madame Varnier zu mir, ſo lade ich Sie zum Mittags⸗ eſſen ein. Ich nahm dieß an und ſte ließ ſich ſogleich für Jedermann verläugnen.
Der kleine Savoyarde, der den Brief nach Paſſy ge⸗ bracht, kehrte um vier Uhr mit einem folgendermaßen lau⸗ tenden Billet zurück:
„Der Augenblick, wo ich den Ritter von Seingalt ſehn werde, wird einer der glücklichſten meines Lebens ſein. Sorgen Sie dafür, daß er übermorgen um zehn Uhr bei Ihnen iſt, und wenn er um dieſe Zeit verhindert ſein ſollte, laſſen Sie es mich wiſſen.“
Nachdem ich dieß Billet geleſen und verſprochen, mich pünktlich einzufinden, verließ ich Madame Varnier und be⸗ gab mich zu Madame du Rumain, welche mich nöthigte, ihr einen ganzen Tag zu ſchenken, um ihr eine Menge Fra⸗ gen zu beantworten, welche ſie mir vorzulegen hatte und für welche ich der Hülfe meines Orakels bedurfte.
Am folgenden Tage vernahm ich von Frau von Urfé die komiſche Antwort, welche ihr der Herzog von Choiſeul gegeben, als ſie ihm ihre Begegnung mit dem Grafen St. Germain im bois de Boulogne erzählte. Ich wundre mich


