r
ſie für baſſelbe in der Welt fürchtet, Hinter dem Riegel entſtehen wahnſinnige Begierden, und was ſind das für Begierden, welche aus
139
entgehen werde.
dem Bedurfniſſe der Liebe entſtehen!
In den Gaſthof zurückgekehrt, nahm ich von den Ver⸗ wundeten Abſchied, welchen ich zu meiner Freude außer Gefahr ſah. Vergeblich bat ich ihn, über meine Börſe zu verfügen; indem er mich umarmte, ſagte er, er ſei hinläng⸗ lich mit Geld verſehn und brauche auch nur an ſeinen Vater zu ſchreiben, um Alles, was er wünſche, zu erhalten. Ich verſprach ihm, in Lyon Halt zu machen und Deſar⸗ moiſes zu nöthigen, von jeder Verfolgung abzuſtehen, da ich an ihn Anrechte habe, welche es ihm unmöglich machten, meine Bitte abzulehnen. Ich hielt Wort. Nachdem wir uns zum Abſchiede geküßt, nahm ich ſeine Zukünftige mit, um mit ihr zu ſpeiſen und mit ihr bis Mitternacht zu lachen; aber bei unſerem Abſchiede konnte ſie wohl nicht ſehr zufrieden mit mir ſein, d denn von meiner Zärtlichkeit unterhielt ich ſie nur ein einziges Mal; die junge Freundin von M. M. hatte mich faſt ganz ausgeleert.
Mit Angesanbruch reiſte ich ab, und am folgenden Tage ſtieg ich in Lyon im Hotel du Pare ab. Ich ließ Deſarmoiſes zu mir kommen, und ſagte ihm ohne Um⸗ ſchweife, daß mich die Reize ſeiner Tochter verführt, daß ihr Liebhaber ein liebenswürdiger ihrer würdiger Junge, und daß ich von ſeiner Freundſchaft ſeine unbedingte Zuſtimmung zu ihrer Heirath erwarte. Er that Alles, was ich ver⸗ langte, als ich ihm erklärte, daß ich nur unter der Bedin⸗ gung ſein Freund bleiben könne, daß er augenblicklich in Alles willige. Er ſtellte mir in Gegenwart zweier Zeugen eine Schrift aus und ich ſchickte dieſelbe unverzüglich durch einen Expreſſen nach Chambéry.. Dieſer falſche Marquis, wie es deren ſo viele giebt, wollte mir in ſeiner armſeligen Wohnung zu eſſen geben.
Seine jüngere Tochter hatte keine Aehnlichkeit mit der ältern und ſeine Frau jammerte mich. Beim Weggehn
wickelte ich ſechs Louisd'ors in ein Stück Papier und ſteckte ſie ihr auf eine geſchickte Weiſe zu, ohne daß ihr Mann es
in der Nonnenzelle
————
1 ¹ 13
6
3


