—
134
Verdruſſe zu ihrer Freundin; Iſt es wahr, fragte ſie, daß ich häßlich bin?
Nein, mein Herz, erwiederte M. M. welche ſich vor Lachen ausſchüttete; ganz im Gegentheile, denn Du biſt ſehr hübſch. Mit dieſen Worten nahm ſie dieſelbe zwiſchen ihre Knie und umarmte ſie zärtlich.
Ihr Schnürleib iſt Ihnen zu eng, Fräulein Sie können unmöglich ſo ſchlank ſein.
Sie irren ſich, mein Herr, Sie könnten die Hand herein ſtecken.
Das glaube ich nicht.
M. M. brachte ſie mir an das Gitter, ließ ſie ſich ſeitwärts ſtellen und ſagte, ich möge mich davon überzeugen; zugleich ſchob ſie das Kleid zurück. Es iſt wahr ſagte ich, und ich gebe Ihnen eine Chrenerklärung, aber innerlich fluchte ich dem Hemde und dem Gotte.
Ich glaube, ſagte ich zu M. M., daß ſie ein kleiner Mann iſt.
Ohne eine Antwort abzuwarten, machte ich mich an die Arbeit und erlangte durch das Gefühl die Ueberzeu⸗ gung von ihrem Geſchlechte, und ich ſah wohl, daß die Kleine ſowohl wie ihre Lehrerin ſich ſehr freuten, mich dieſe Ueberzeugung erlangen zu ſehn.
Nachdem ich meine Hand zurückgezogen, gab die Kleine M. M. einen Kuß; die lachende Miene derſelben beruhigte ſie und ſie bat ihre Freundin um die Erlaubniß einen Augenblick hinausgehen zu dürfen. Ich mußte ſte in eine Lage gebracht haben, wo es Bedurfniß für ſie war, einen Augenblick allein zu bleiben, und ich ſelbſt war im Zuſtande der höchſten Aufregung.
Als die Kleine weggegangen war, ſagte ich zu M. M. Weißt Du wohl, daß die Belehrung, die Du mir verſchafft, mich unglücklich macht?
Weshalb?
Weil ich Deine Freundin reizend finde und vor Luſt vergehe, ſie zu beſitzen.
Das thut mir leid, denn Du kannſt mit ihr nicht weiter gehn als Du gegangen biſt, und dann mein Freund


