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genthümlichen Takte, ſie habe mich in Aix fünf oder ſechs⸗ mal am Brunnen geſehn; aber ich werde ſie wohl nicht wiederkennen, da ſie nie ohne Schleier gegangen ſei. Ich bewunderte ebenſowohl ihre Feinheit und ihren Geiſt, wie ihre entzückende Geſtalt; ſie kam mir ſchöner vor und er⸗ ſah dieß ohne Zweifel aus meinen Blicken. Wir ſprachen eine Stunde lang von Grenoble und ihren alten Bekannten, deren ſie ſich mit Vergnügen erinnerte; ſodann verließ ſie uns, um eine junge Penſionairin zu holen, welche ſie liebte, und welche ſie ihrer Tante vorſtellen wollte.
Ich ergriff dieſen Augenblick um Madame Morin zu ſagen, daß ich mich über die Aehnlichkeit wundre, welche ſte ſogar im Klange der Stimme mit meiner lieben M. M. aus Venedig hatte; und ich bat ſie, mir das Vergnügen zu verſchaffen, morgen mit ihrer Nichte zu frühſtücken und ſie zur Annahme von zwölf Pfund Chocolade, die ich aus Ve⸗ nedig mitgebracht, zu bewegen. Ich fordere Sie auf, ſagte ſte, derſelben das Geſchenk ſelbſt anzubieten, denn wenn ſie auch eine Nonne iſt, iſt ſie doch auch eine Frau und ein Ge⸗ ſchenk aus der Hand eines Mannes macht uns mehr Vergnü⸗ gen, als wenn es von einer Frau kömmt.
M. M. kam mit der Superiorin, zwei andern Nonnen und derjungen Penſionairin, einer entzückend ſchönen Lyone⸗ ſerin zurück. Ich mußte mit allen dieſen Betſchweſtern ſchön thun, und Madame Morin ſagte zu ihrer Nichte, ich wünſche eine vortreffliche Chocolade zu proben, welche ich von Genua mitgebracht; aber ich wünſche, daß dieſelbe von ihrer Laienſchweſter bereitet würde. Mein Herr, ſagte die M. M., haben Sie die Güte, mir die Chocolade zu ſchicken und morgen wollen wir mit dieſer theuern Schweſter früh⸗ ſtücken.
Sobald ich in den Gaſthof zurückgekehrt war, über⸗ ſchickte ich die Chocolade nebſt einem ehrfurchtsvollen Billet und ging dann auf Madame Morins Zimmer mit ihrer Tochter und Fräulein Desarmoiſes, in die ich mich immer mehr verliebte; indeß ſprach ich nur von M. M. und ich glaubte zu bemerken, daß die Tante errieth, daß die ſchöne Nonne mir nicht fremd ſei.
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