bringen oder ihm Genugthuung zu geben; aber er hatte weder Vernunft noch Muth; er wollte mich nicht anhören, und ich vermuthe, daß er Klage gegen mich geführt hat. Morgen muß ich ganz früh die Stadt räumen.
Sie ſind Franzoſe, und da Sie den Schutz Ihres Ge⸗ ſandten beanſpruchen können, würden Sie Unrecht thun, wenn Sie ſich ſo früh entfernen wollten.
Zunächſt iſt der Geſandte abweſend, und ſodann ver⸗ läugnet mich mein grauſamer Vater. Ich will lieber ab⸗ reiſen und Sie in Lyon erwarten. Ich bitte Sie nun, mir noch hundert Thaler zu leihn, welche ich Ihnen in Rech⸗ nung ſtellen werde.
Das wird eine lange Rechnung werden.
Das iſt möglich; aber ſeien Sie überzeugt, daß ich, wenn ich kann, für Ihre Güte erkenntlich ſein werde.
Ich gab ihm hundert Thaler, wünſchte ihm eine glück⸗ liche Reiſe und ſagte ihm, ich würde einige Tage in Cham⸗
béry bleiben.
Nachdem ich einen Kreditbrief auf Augsburg genom⸗ men, verließ ich Turin, und in drei Tagen langte ich in Chambéry an. Da zu meiner Zeit in dieſem Orte nur ein einziger Gaſthof war, ſo kam ich wegen der Wahl nicht in Verlegenheit; indeß fand ich ein gutes Unterkommen.
Als ich in mein Zimmer trat, begegnete ich einer ſehr hüͤbſchen Perſon, welche aus einem an meine Wohnung ſto⸗ ßenden Zimmer trat. Wer iſt dieſe junge Dame? ſagte ich zu dem mich begleitenden Mädchen. Es iſt, ſagte ſie,
die Frau eines jungen Herrn, welcher das Bett hütet, um ſich von einer Säbelwunde zu heilen, die er vor neun Ta⸗ gen bekommen und der aus Frankreich kommt.
Ich konnte dieſes Weib nicht anſehn, ohne den Sta⸗ chel der Begierde zu fühlen. Als ich beim Ausgehn, um mich nach der Poſt zu begeben, ihre Thür halb geöffnet ſah, blieb ich ſtehn und bot ihr als Nachbar meine Dienſte an. Sie dankte mir höflich und bat mich einzutreten. Da ich einen hübſchen jungen Mann im Bette liegen ſah, ſo trat ich näher und erkundigte mich nach ſeinem Zu⸗
ſtande.
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