Teil eines Werkes 
12. Bd. (1850)
Entstehung
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nicht in den Beſitz des geliebten Gegenſtandes gelangt, ſo kann ſie nur eine Qual ſein; wird die Leidenſchaft verboten ſo darf man nicht lieben.

Ich gebe es zu, um ſo mehr als der Genuß eines ſchönen Gegenſtandes nicht das wahre Vergnügen iſt, wenn die Liebe nicht voraufgegangen iſt.

Und wenn ſie aufgegangen iſt, begleitet ſte denſelben vermuthlich; aber man kann wohl zweifeln, ob ſie nachher noch fortdauert.

Das iſt wahr, da dieſer ſie oft tödtet..

Es iſt ein egoiſtiſches Kind, welches ſeinen Vater töd⸗ tet, und wenn nach dem Genuſſe die Liebe bei einem der beiden zurückbleibt, ſo iſt dies ſchlimmer als ein Mord, denn derjenige, der dann noch liebt, iſt unglücklich.

Nichts iſt wahrer, Madame, und nach dieſer Durch⸗ führung, welche den Regeln der ſtrengſten Dialektik ent⸗ ſpricht, muß ich glauben, daß Sie die Sinne zu beſtändi⸗ ger Diät verurtheilen. Das iſt grauſam.

Gott bewahre mich vor dieſem Platonismus ohne Liebe; aber ich überlaſſe es Ihnen, die Konſequenz zu iehen. dieh Wechſelweiſe lieben und genießen, genießen und lieben.

So iſt es.

Als ich dieſe Folgerung machte, konnte Leonilda ſich nicht des Lachens enthalten, und der Herzog küßte ihr die Hand. Ihre Kammerfrau, welche nicht franzöſiſch verſtand, beſchäftigte ſich mit der Oper; aber mit mir war es etwas anderes; ich hatte Feuer gefaßt.

Leonilda war erſt ſechszehn Jahre alt und mehr als ſchön; denn ſie war hübſch wie ein Engel.

Ich recitirte ihr bei Gelegenheit des Genuſſes ein etwas freies Epigramm von La Fontaine, welches man nur in der erſten Ausgabe findet, und welches folgendermaßen anfängt:.

La jouissance et les désirs

Sont ce que T'homme a de plus rare. Mais ce ne sont pas vrais plaisirs, Dès le moment qu'on les sépare.

XII. 3