Teil eines Werkes 
12. Bd. (1850)
Entstehung
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zu werden, näher betrachtet werden muß, ſo werden ihre Reize ſehr problematiſch. Donna Leonilda machte augen⸗

blicklich Eindruck. Lächelnd blickte ich den Herzog an, wel⸗

cher zu mir geſagt, er liebe ſie wie ein Vater ſeine Tochter und halte ſie nur des Luxus wegen. Er verſtand mich und ſagte: Du kannſt mir glauben.

Es iſt glaublich, entgegnete ich.

Leonilda, die ohne Zweifel unſre räthſelhafte Sprache verſtanden hatte, miſchte ſich in unſer Geſpräch und ſagte mit feinem Lächeln: Alles was möglich iſt, iſt glaublich.

Ich gebe das zu, ſagte ich; aber man kann glauben oder nicht glauben, je nachdem die Sache mehr oder weniger ſchwierig ſcheint.

Sehr richtig; aber zu glauben ſcheint mir leichter. Sie ſind geſtern in Neapel angekommen; das iſt unglaublich, aber dennoch iſt es wahr. 1

Wie ſollte das unmöglich ſein?

Kann man glauben, daß ein Fremder in einem Augen⸗ blicke nach Neapel komme, wo alle Einheimiſchen mit Furcht erfüllt ſind?

In der That habe ich bis jetzt Furcht gehabt; aber

nun fühle ich mich ganz frei davon, denn da Sie hier ſind,

muß der heilige Januarius die Stadt beſchützen.

Weshalb?

Weil ich überzeugt bin, daß er Sie liebt; Sie lachen?

Ja, und über eine ziemlich komiſche Idee; denn ich denke mir, daß, wenn ich einen Liebhaber wie den heiligen Januarius hätte, derſelbe ziemlich übel daran ſein würde.

Der Heilige iſt wohl ſehr häßlich?

Wenn ſein Portrait ihm gleicht. Wenn Sie ſeine Statue ſehn, können Sie ſich davon uͤberzeugen.

Der Ton der Heiterkeit führte leicht zu dem der Frei⸗ müthigkeit und der der Freimüthigkeit wieder zu dem der Freundſchaft. Die Anmuth des Geiſtes gewinnt leicht die Oberhand über den Zauber der Schönheit.

Da Leonildas angenehme Laune mir Vertrauen ein⸗ flößte, ſo brachte ich die Unterhaltung auf die Liebe und ſie ſprach meiſterhaft darüber. Wenn, ſagte ſie, die Liebe