Teil eines Werkes 
12. Bd. (1850)
Entstehung
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3 herrliche Polenta erſchien in Begleitung zweier großer

Schla, mit Schweine⸗Coteletten. Aber Momolo, der mei Geſchmack kannte, und den ich in der Perſon ſeiner Tochter bereichert hatte, fügte ſeinen Schüſſeln noch mehrere Flaſchen ausgezeichneten Weines hinzu. Mariucciag war einfach, aber mit der Eleganz der Schönheit gekleidet, und ihre Haltung war ganz vortrefflich, ſie verführte mich.

Ich konnte ihr meine Liebe nur durch einen Händedruck zu erkennen geben; ſie antwortete in derſelben Sprache, aber auf eine ſo ausdrucksvolle Weiſe, daß ich nicht an ihrer Liebe zweifeln konnte. Beim Weggehen ging ich die Treppe mit ihr hinunter, und als ich ſie fragte, ob ich nicht ir⸗ gendwo mit ihr ſprechen könne, beſtimmte ſie mir ein Stell⸗ dichein auf den folgenden Tag um acht Uhr in la Trinità de Monti.

Mariuccia war groß, von eleganter und anmuthiger Haltung, wie zum Malen gemacht, weiß wie ein blaſſes Roſenblatt, und ihre Weiße, welche durch die dunkle Fär⸗ bung ihrer Adern noch gehoben wurde, gab ihrer Haut einen Reiz, welcher zur Wolluſt ſtimmt. Ihre blonden Haare waren von ſeltener Schönheit und über ihre dunkel⸗ blauen, faſt ſchwarzen Augen wölbten ſich zwei Bogen von vollkommner Regelmäßigkeit. Nie iſt ein ſo proportionirter Mund von zwei röthern Lippen eingefaßt, noch mit einem ſchönern Gebiſſe geziert geweſen. Die etwas hohe und herrlich gerundete Stirn gab ihr ein majeſtätiſches Anſehn, welches die Vollendung des Ganzen noch erhöhte. Das Lächen der Sanftmuth und Liebenswürdigkeit ſtand in Har⸗ monie mit ihren funkenſprühenden großen Augen; ihre weiße und fleiſchige Hand, ihre rundlichen Finger, ihre fleiſchrothen Nägel, ihr von den Grazien geformter Buſen, welchen ein zudringliches Corſet nur mit Mühe zu bändigen ſchien, ein außerordentlich kleiner Fuß und hervorſprin⸗ gende Hüften, überhaupt Alles machte Mariuccia zu einer Schönheit, die des Meißels eines Prariteles würdig war. Dieß junge Mädchen ging ins achtzehnte Jahr, und obwohl ſie in Rom wohnte, war ſie doch bis dahin den Blicken der Kenner entgangen. Der glückliche Zufall führte mich mit

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