Teil eines Werkes 
12. Bd. (1850)
Entstehung
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ihr in einer wenig gangbaren Straße zuſammen, wo ſte in Dunkelheit und Elend lebte und ich wan glücklich genug ihr Glück zu begründen.

Wie ſich leicht denken läßt, ſtellte ich mich pünktlich

ein, und ſobald ſie ſich überzeugt hatte, daß ich ſie geſehn, verließ ſie die Kirche. Ich folgte ihr von Weitem. Nach⸗ dem ich ſie in ein großes verfallenes Gemäuer hatte treten ſehen, trat ich ebenfalls ein und als ſie eine, wie es ſchien, in der Luft ſchwebende Treppe erſtiegen hatte, blieb ſte ſtehn. Hier, ſagte ſie, wird mich Niemand ſuchen; Sie können alſo ganz frei mit mir ſprechen.

Ich ſetzte mich neben ſie auf den Stein und machte ihr ſodann eine feurige Liebeserklärung. Sagen Sie mir, fuhr ich fort, was ich für ihr Glück thun kann, denn ich ſtrebe nach Ihrem Beſitze, will denſelben aber zuvor verdienen.

Machen Sie mich glücklich und ich werde mich Ihren Wünſchen ergeben, denn auch ich liebe Sie.

Sagen Sie mir, was ich thun ſoll.

Mich dem Elende entreißen, dem ich unterliege; denn ich muß mit meiner Mutter leben, einer guten Frau, die aber fromm bis zum Aberglauben iſt und die mich durch ihr beſtändiges Arbeiten an meinem Seelenheile noch raſend machen wird. Sie tadelt meine Reinlichkeit, weil, um mich zu waſchen, meine Hand den Körper berühren muß, und weil ich mich dadurch der Gefahr ausſetze, den Männern zu gefallen. Hätten Sie mir das Geld, welches Sie mich in der Lotterie haben gewinnen laſſen, als bloßes Almoſen ge⸗ geben, ſo würde ſie mich gezwungen haben, es auszuſchlagen, weil Sie ſchlechte Abſichten hätten haben können. Sie erlaubz mir allein in die Meſſe zu gehn, weil unſer Beichtvater ihr geſagt hat, ich dürfe es; aber ich würde nicht wagen eine Minute länger zu bleiben, ausgenommen die Feſtſtage, wo ich zu meiner Erbauung zwei oder drei Stunden beten darf. Wir können uns alſo nur hier ſehn; wenn Sie aber die Güte haben wollen, für mich etwas zu thun, ſo müſſen Sie es auf folgende Weiſe anfangen.

Ein junger Mann, ein hübſcher Junge, von guter Füh⸗ rung und ſeinem Stande nach Perückenmacher, hat mich vor

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