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Ich war neugierig, welcher Art die Zeichen des ganz beſonderen Wohlwollens, von denen der Papſt geſprochen, ſein würden; ich fürchtete, ſie würden ſich nach gewohnter Weiſe auf einen geweihten Roſenkranz beſchränken, und was ich mit einem ſolchen anfangen ſollte, wußte ich nicht.
Nach Hauſe zurückgekehrt, ſchickte ich den Codex durch Coſta nach dem Vatican, ſodann ſpeiſte ich bei Mengs. Während wir die Suppe aßen, wurden die Nummern der Lotterie gebracht. Mein Bruder ſah ſie und ſodann mich mit dem höchſten Erſtaunen an. Ich dachte in dieſem Augen⸗ blicke nicht daran und deshalb überraſchte mich ſein An⸗ blicken. Die 27, rief er aus, iſt als die fünfte Nummer herausgekommen.
Deſto beſſer, ſagte ich, wir werden lachen.
Als Mengs die Geſchichte erfahren, ſagte er: Es iſt eine glückliche Thorheit, aber es bleibt immer eine Thorheit. Er hatte Recht und ich gab es zu; aber ich fügte hinzu, um von den funfzehnhundert römiſchen Thalern, welche mir der Zufall verſchafft, einen würdigen Gebrauch zu machen, würde ich auf vierzehn Tage nach Neapel gehen. Ich werde bei der Partie ſein, ſagte der Abbé Alfani, und mich für Ihren Sekretair ausgeben. Gern, erwiderte ich, und ich bitte Sie, Wort zu halten.
Ich lud Winkelmann zur Polenta beim Abbé scopa- tore santissimo ein, und ich trug meinem Bruder auf, ihn hinzugeleiten; ſodann ſtattete ich dem Marquis Belloni, meinem Bankier, einen Beſuch ab, um meine Rechnung zu regeln, und einen Kreditbrief auf ſeinen Korrespondenten in Neapel zu nehmen. Ich beſaß noch zwei hunderttauſend Franes; ich hatteasleinodien für dreißigtauſend und in Amſterdam funfzigkällſend Gulden.
Gegen die Abenddämmerung kam ich zu Momolo und fand hier Winkelmann und meinen Bruder, aber anſtatt der Heiterkeit, die ich zu finden erwartete, erblickte ich uur trau⸗ rige Geſichter. Was fehlt denn Ihren Töchtern? ſagte ich zu Momolo.
Sie ärgern ſich, daß Sie nicht auch für ſie einen be⸗ ſtimmten Auszug geſetzt haben.


