Teil eines Werkes 
12. Bd. (1850)
Entstehung
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Mein Bruder tadelte mich; aber ich ließ ihn reden, da ich nicht Luſt hatte, mich nach ſeinen irrigen Anſichten zu richtenen

Am Abend ging ich alſo mit meinem Bruder zum scopatore santissimo, der mich erwartete und ſeiner Fa⸗ milie als einen außerordentlichen Menſchen angekündigt hatte. Nachdem ich ihm meinen Bruder vorgeſtellt, begann ich die Anweſenden zu prüfen. Ich ſah eine alte Frau, vier Mäd⸗ chen, von denen die älteſte vierundzwanzig Jahre alt war, und zwei kleine Knaben, und Alle waren häßlich. Für einen Wolluͤſtling war dies nicht einladend, aber ich war nun ein⸗ mal da, und ich mußte höflich ſein, und wie man ſagt, gute Miene zum böſen Spiele machen; ich blieb und lachte. Ab⸗ geſehen davon, daß alle Mitglieder dieſer Familie häßlich waren, war ſie auch ein Bild der Armuth, denn der sco⸗ patore santissimo mußte mit ſeiner zahlreichen Familie von zweihundert römiſchen Thalern leben, und da der apoſto⸗ liſche Auskehricht nicht denſelben Werth hat, wie die Aus⸗ leerungen des Großlamas, ſo mußte er alle Bedürfniſſe mit dieſer geringen Summe beſtreiten. Nichtsdeſtoweniger war der brave Mann ganz Herz; ſobald er mich ſitzen ſah, ſagte er, er wolle mir zu Abend zu eſſen geben, aber er habe nur Polenta und Schweine⸗Coteletten.

Das iſt herrlich, ſagte ich, aber erlauben Sie, daß ich ſechs Flaſchen Orvieto⸗Wein holen laſſe.

Das ſteht in Ihrem Belieben.

Ich ſchrieb an Coſta ein Billet mit dem Befehle, mir ſogleich die ſechs Flaſchen nebſt einem glacirten Schinken zu bringen. Er kam eine halbe Stunde darauf mit dem Lohn⸗ bedienten, welcher den Korb trug, und bei ſeinem Anblicke riefen die vier Mädchen aus: Das iſt ein hübſcher Junge. Da ich ſah, wie Coſta ſich über dieſen Empfang freute, ſo ſagte ich zu Memolo: Wenn Sie wie Ihre Töchter denken, will ich ihm erlauben zu bleiben. Coſta erfreut über dieſe Ehre, dankt und geht in die Küche, um der Mutter bei der Bereitung der Polenta zu helfen.

Man deckt einen großen Tiſch mit einem reinlichen Tiſchtuche und bald trägt man eine ungeheure Schüſſel Po⸗ lenta und eine große Kaſſerolle voll Coteletten auf. Man