Teil eines Werkes 
12. Bd. (1850)
Entstehung
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Geſchenk von Werth ſein, um ſo mehr als er eine reiche Privatbibliothek hatte, über welche mein Freund, der Abbé Winkelmann, die Aufſicht führte. Demgemäß ſchrieb ich einen kurzen lateiniſchen Brief, welchen ich in einen andern an Winkelmann einlegte und beauftragte dieſen, Sr. Emi⸗ nenz meine Gabe darzubringen. Dieſes ſeltne Werk ſchien mir wohl ſeine Leichenrede aufzuwiegen und ich hoffte, daß er mir ein andresmal nicht bloß die Ehre des Tabourets erweiſen würde.

Am nächſten Tage begab ich mich nach dem Monte⸗ Cavallo, der eigentlich Monte⸗Cavalli heißen müßte, da er dieſen Namen von den beiden ſchönen Pferden erhalten hat, die das Piedeſtal ſchmücken, welches den Platz, auf den das Portal des Palaſtes des heiligen Vaters hinausgeht, zieren. Um mich dem Papſte vorzuſtellen, hätte ich mich durch Nie⸗ mand ankündigen zu laſſen brauchen, da jeder Chriſt ſich vorſtellen kann, wenn er die Thür offen ſieht. Ich hatte übrigens Se. Heiligkeit in Padua kennen gelernt, als er den biſchöflichen Sitz dieſer Stadt inne hatte; aber ich gab etwas auf die Ehre, durch einen Kardinal angemeldet zu werden.

Nachdem ich dieſes Haupt der Gläubigen begrüßt und ihm das heilige auf ſeinem heiligen Pantoffel geſtickte Kreuz geküßt, ſagte er, indem er ſeine rechte Hand auf meine linke Schulter legte, er erinnere ſich, daß ich in Padua immer die Verſammlung verlaſſen, ſobald er den Roſenkranz an⸗ geſtimmt.

Sehr heiliger Vater, ich habe mir noch weit größere Sünden vorzuwerfen; deshalb werfe ich mich Ihnen zu Füßen und bitte um Ihre Abſolution.

Er gab mir ſeinen Segen, eine ſehr gangbare Münze in Rom, und fragte mich ſehr gütig, welche Gnade ich er⸗

itte.

Ihre heilige Vermittlung, um ſicher nach Venedig zu⸗ rückkehren zu können. 4

Wir wollen mit dem Geſandten ſprechen und Ihnen ſodann antworten. Kommen Sie oft zum Kardinal Paſ⸗ ſionei?