Teil eines Werkes 
11. Bd. (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

180

ben, der ſie den contraktlich ſtipulirten pas de deux nicht tanzen laſſen wollte. Beſuchen Sie mich morgen früh, ſagte ich, und frühſtücken Sie bei mir, ſo werde ich mit dem He⸗ bräer in Ihrer Gegenwart ſprechen, wenigſtens wenn er kömmt, denn ich verſpreche Ihnen denſelben holen zu laſſen.

Ich will Sie ſehr lieben, ſagte die kleine Närrin; aber kann ich nicht etwas hier bleiben?

So lange Sie wollen; da ich aber einige Briefe zu beenden habe, ſo muß ich Sie bitten, allein zu bleiben.

Wie Sie wollen.

Ich beorderte Coſta ihnen zu eſſen zu geben.

Nachdem ich meine Briefe geſchrieben, ließ ich, da ich Luſt zu lachen hatte, die Kleine ſich neben mich ſetzen, und ich fing an, mit ihr zu ſchäkern, aber ſo, daß die Mutter nichts ſehn konnte. Plötzlich miſchte ſich ihr Bruder ein und ſetzte mich dadurch einigermaßen in Erſtaunen. Gehen Sie weg, ſagte ich zu ihm, Sie ſind kein Mädchen. Bei dieſen Worten zeigte mir der kleine Böſewicht ſein Geſchlecht; 4 aber auf eine ſo unanſtändige Weiſe, daß ſeine Schweſter, welche auf meinem Schooße ſaß, laut auflachte, und zu ih⸗ rer Mutter flüchtete, die aus Erkenntlichkeit für das gute Abendeſſen, welches ich ihr hatte vorſetzen laſſen, im Hin⸗ tergrund blieb. Ich ſtand auf, und nachdem ich dem un⸗ verſchämten Päderaſten eine Ohrfeige gegeben, fragte ich die Mutter, in welcher Abſicht ſie mir den Burſchen zugeführt. Statt aller Antwort ſagte die ſchändliche Mutter: Iſt er nicht ein hübſcher Junge? Um ihn für die Ohrfeige zu ent⸗ b

ſchädigen, gab ich ihm einen Dukaten und ſagte zur Mut⸗ ter, ſie möge ſich entfernen, weil ſie mich anekle. Der Junge nahm meinen Dukaten und küßte mir die Hand, worauf. alle drei weggingen.

Ueber das Abenteuer lachend und über die Verderbt⸗ heit einer Mutter nachdenkend, welche ſich nicht zu entwür⸗ digen fürchtete, indem ſie ihren Sohn für das gemeinſte aller Laſter proſtituirte, ging ich weg.

Am folgenden Morgen ließ ich den Juden bitten zu* mir zu kommen. Die Corticelli kam nebſt ihrer Mutter;