vollen Ernſte mein großer Lakai ſeiner Schweſter Redegunde die Teller wechſelte, und dieſe ſchien ſich nicht wenig darauf einzubilden, daß ihr eine Ehre zu Theil wurde, auf welche ihr Bruder keinen Anſpruch machen konnte. Sie war nicht großmüthig, denn in einem unbemerkten Augenblicke ſagte ſie zu mir: Er iſt ein guter Junge, hat aber leider kein Talent.
Abſichtlich hatte ich eine herrliche goldne, reich email⸗ lirte und mit meinem höchſt ähnlichen Portrait in Email ge⸗ zierte Doſe eingeſteckt. Ich hatte ſie in Paris machen laſſen, um ſie Madame d'Urfé zu ſchenken, und ich hatte ſie ihr nicht geſchenkt, weil der Maler mich zu jung dargeſtellt hatte. Ich hatte dieſe Doſe mit vortrefflichem Havannatabak gefüllt, welchen Herr von Chavigny mir geſchenkt, und wel⸗ chen Thereſe ſehr liebte. Um ſie aus der Taſche zu ziehen, wartete ich, daß Thereſe mich um eine Prieſe bitten würde.
Der Abbé Gama, welcher ſehr guten Tabak in einer Origoneladoſe hatte, ſchickte Thereſen eine Priſe zu, welche ihm dafür ihre mit goldnen Arabesken ausgelegte Schild⸗ pattdoſe zuſendete. Man konnte nichts Schönres ſehn. Gama kritiſirt den Tabak von Thereſen; ich thue ſo, als ob ich ihn ſehr gut finde, ſage aber der meinige ſei beſſer. Ich ziehe meine Doſe aus der Taſche, reiche ſie ihr offen und biete ihr eine Priſe an. Sie hatte das Portrait nicht ſehn können. Sie gab zu, daß mein Tabak köſtlich und weit beſſer als der ihrige ſei.
Wolan, Madamo, laſſen Sie uns tauſchen.
Sehr gern. Geben Sie mir Papier.
Das iſt nicht nöthig. Man tauſcht den Tabak und die Doſen, in welchen er ſich befindet. 5
Dies ſagend, ſtecke ich die Doſe Thereſens in meine Taſche und reiche ihr die meinige geſchloſſen. Als ſie mein Portrait erblickte, ſtieß ſie einen Schrei aus, der die ganze Geſellſchaft neugierig machte, und ihre erſte Bewegung war, das Medaillon zu kuͤſſen. Sieh, ſagte ſie zu Ceſarino, das iſt Dein Portrait.
Ceſarino blickt es erſtaunt an, und die Doſe geht nun von Hand zu Hand. Jeder findet, daß es mein Portrait


