Teil eines Werkes 
11. Bd. (1850)
Entstehung
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ruhigt. Ein Geheimniß, welches man erhaſcht, iſt immer ein Diebſtahl.

Ich ſpreche nicht von jener edlen Neugierde, die her⸗ vorgehend aus der Beſchäftigung mit den abſtrakten Wiſſen⸗ ſchaften, die Zukunft oder vielmehr das Unmögliche kennen lernen will; da ſie eine Tochter der Unwiſſenheit oder des Aberglaubens iſt, ſo ſind es nur Thoren oder Narren, welche bei ihr verweilen. Aber der Abbé Gama war weder Thor, noch unwiſſend, noch einfältig, er war neugierig von Cha⸗ rakter und Gewerbe, denn er wurde bezahlt, um Alles zu entdecken. Er war Diplomat; in einer weniger erhabnen Sphäre würde er als Spion behandelt worden ſein.

Er verließ mich, um Beſuche zu machen und verſprach zur Eſſenszeit wiederzukommen.

Der Doktor Vannini ſtellte mir einen andern parme⸗ ſaniſchen Bedienten von der Größe des erſtern vor, und verſprach mir, daß dieſer mir gehorchen, nicht aber mich zu er⸗ rathen ſuchen werde. Ich dankte dem akademiſchen Wirthe und beſtellte bei ihm ein üppiges Mahl.

Die Corticelli erſchien zuerſt mit ihrem Bruder, einem jungen Weibmanne und mittelmäßigen Violinſpieler, ſo wie ihrer Mutter, welche ſagte, ſie würde nie erlauben, daß ihre Tochter ohne ſie und ihren Bruder bei Fremden zum Eſſen komme. Dann können Sie, ſagte ich, ſie augenblicklich wie⸗ der mitnehmen oder dieſen Dukaten annehmen und mit Ih⸗ rem Sohne eſſen, wo Sie wollen, denn ich mag weder Sie noch ihn. Sie nahm den Dukaten und ſagte, ſie ſei ſicher, daß ſie ihre Tochter in guten Händen laſſe. Sie können darauf rechnen, ſagte ich, und nun gehn Sie.

Ihre Tochter legte meinen kleinen Dialog mit ihrer Mutter auf eine ſo komiſche Weiſe aus, daß ich mich des Lachens nicht enthalten konnte und in Folge deſſen anfing ſie zu lieben. Die Corticelli war erſt dreizehn Jahre alt und ſo zart gebaut, daß ſie nur zehn Jahre alt zu ſein ſchien. Uebrigens war ſie ſchön gewachſen, heiter, ſprühend, geiſtreich und von einer Weiße, wie man ſie in Italien ſel⸗ ten findet; dennoch begreife ich noch jetzt nicht, wie ich mich in ſie habe verlieben können.