Teil eines Werkes 
11. Bd. (1850)
Entstehung
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ſer wurde.) Nachdem ich ſein Anerbieten dankbar angenom⸗ men, brachte er das Geſpräch auf Thereſen; aber er fand mich hier verſchloſſen wie den Geldkoffer eines Geizigen. Ich ſagte zu ihm, ſie ſei noch Kind geweſen, als ich in Bologna ihre Familie kennen gelernt, und die Aehnlichkeit zwiſchen ihrem Bruder und mir ſei nur eins jener Spiele des Zufalls, bei welchem nur unſer Zuſammentreffen be⸗ merkenswerth ſei. Da er auf meinem Tiſche ein ſehr ſchön⸗ geſchriebenes Papier liegen ſah, fragte er mich, ob dieſe herr⸗ liche Schrifr von meinem Seeretair ſei. Coſta, der zugegen war, antwortete, ſie ſei von ihm. Gama, der ſich in Com⸗ plimenten erſchöpfte, bat mich endlich, ihm denſelben zuzu⸗ ſchicken, um einige Briefe von ihm abſchreiben zu laſſen. Da ich mir wohl denken konnte, daß er ihn nur über mich zum Plaudern bringen wollte, ſo ſagte, ich brauche den jun⸗ gen Mann ſehr nöthig für den ganzen Tag. Nun denn,

auf ein andres Mal, ſagte der Abbé. Ich antwortete nicht.

So ſind die Neugierigen.

Die Moraliſten wollen die Neugierde nicht zu den Lei⸗ denſchaften rechnen, aber ſie haben Unrecht. Wird ſie durch die Vernunft geleitet, ſo iſt ſie eine der ſchönen Eigenſchaf⸗ ten des Geiſtes, und ſie hat die ganze Natur zum Gegen⸗ ſtande: Nihil dulcius quam omnia scire*); Sie iſt von den Sinnen abhängig, denn ſie kann nur durch Wahrneh⸗ mungen und Empfindungen entſtehn und ſich befriedigen. Aber dieſe Leidenſchaft iſt wie alle ihre Schweſtern ein Un⸗ geheuer, wenn ſie nicht durch die Weisheit gezügelt wird. Sie iſt ein ſchreckliches Laſter, wenn ſie nur den Zweck hat, in die Angelegenheiten Andrer einzudringen, ſei es direkt, ſei es indirekt, ſei es, daß der Neugierige nur um nützlich zu werden, ein Geheimniß zu erhaſchen ſtrebt, oder ſei es, daß er ſeinen Nächſten nur ausholt, um ein Ueberſtrömen des Herzens zu ſeinem Beſten auszubeuten. Die Neugierde, die je nach ihrer Richtung Laſter oder Tugend iſt, iſt immer eine Krankheit, denn es iſt ihr das eigenthümlich, daß ſie das Herz oder den Geiſt desjenigen, den ſie überfällt, beun⸗

*) Nichts iſt ſüßer als Alles zu wiſſen.