Teil eines Werkes 
11. Bd. (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

α‿ʃ

33

er mich nicht häßlich findet; vielleicht wird er mich hübſch finden, aber an ein ſolches Uebermaaß glaube ich nicht.

Sie glauben es nicht! Setzen wir uns. Stellen Sie ſich vor, der König laſſe Ihnen dieſelbe Gerechtigkeit wie ich widerfahren und die Sache iſt gemacht.

Was finden Sie aber an mir, was Sie nicht an einer Menge anderer Perſonen meines Alters fänden? Es iſt indeß möglich, daß ich Eindruck auf Sie gemacht habe. Das beweiſt aber, daß ich geboren war, um auf Sie einen ſol⸗ chen Eindruck zu machen, nicht aber, daß ich ihn auf den König machen muß. Was ſuchen Sie den König von Frankreich, wenn Sie ſelbſt mich lieben?

Weil ich Ihnen das Schickſal, was Sie verdienen, nicht anbieten kann.

Das iſt gegen den Augenſchein.

Auch weil Sie mich nicht lieben.

Ich würde Sie, wenn ich Ihre Frau wäre, zärtlich und allein lieben. Ich könnte dann Ihre Küſſe erwiedern, während die Pflicht es mir jetzt nicht geſtattet.

Wie dankbar bin ich Ihnen, daß Ihnen meine Nähe nicht unangenehm iſt!

Es iſt mir im Gegentheil ſehr lieb, daß ich Ihnen gefalle.

Erlauben Sie dann, daß ich morgen ganz früh auf Ihr Zimmer komme und mit Ihnen an Ihrem Bette Kaffee trinke.

O, mein Herr, denken Sie nicht daran. Wenn ich auch wollte, ſo könnte ich es doch nicht. Ich ſchlafe bei meiner Tante und ſtehe früher als ſie auf. Aber nehmen

Sie doch Ihre Hand weg. Sie haben mir verſprochen,

nicht wieder anzufangen. Im Namen Gottes! bleiben Sie ruhig, mein Herr. 8

Ich mußte wohl aufhören, denn ihr Widerſtand war nicht zu beſtegen. Mit Vergnügen ſah ich indeß, daß ſie trotz meiner verliebten Verfolgungen ihre Sanftmuth nicht verloren, und daß die lachende Ruhe, welche ſie charakteri⸗ firte, ihr göttliches Geſicht verſchönerte, nicht anders, als ob wir in völliger Unthätigkeit geblieben wären. Was mich

XI. 3