Teil eines Werkes 
11. Bd. (1850)
Entstehung
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einen ſelbſtändigen Willen habe, ſo hörte ſie zu und ſagte kein Wort. Herr Morin, der mich von Zeit zu Zeit anſah, wagte nicht zu lachen, da er mich ernſt ſah. In Valen⸗ glards Zügen drückte ſich Fanatismus und Exaltation aus.

Madame Morin ſchien wie von einem übernatürlichen Wun⸗

der betroffen, und weit entfernt, die Prophezeihung über⸗ trieben zu finden, ſagte ſie, ihre Nichte verdiene in der That mehr als die fanatiſche Maintenon, die Frau oder die Ge⸗ liebte ihres Herrſchers zu werden. Aus dieſer, ſagte ſtie, würde nie etwas geworden ſein, wenn ſie nicht Amerika verlaſſen hätte und nach Frankreich gekommen wäre, und wenn meine Nichte nicht nach Paris geht, ſo kann auch das Heroscop ſich nicht als wahr bewähren. Es kommt alſo darauf an, ſie dahin zu bringen; wie iſt dies aber an⸗ zufangen? Dieſe Reiſe gränzt ans Unmögliche. Die Prophe⸗ zeihung der Geburt eines Sohnes hat etwas Göttliches und Hinreißendes. Ohne Zweifel läßt ſich nichts mit Beſtimmt⸗ heit vorherſagen; aber meine Nichte hat mehr Anſprüche, dem König theuer zu werden, als die Maintenon; ſie iſt jung und tugendhaft; die Maintenon war ſchon über die Mitte hinaus, und ehe ſie fromm wurdoe, hatte ſie über die Schnur gehauen. Aber dieſe Reiſe wird ſich in Dunſt auf⸗ löſen. Nein, ſagte Valenglard mit ernſter und wahrhaft komiſcher Miene; dieſe Reiſe wird zu Stande kommen, denn das Geſchick muß ſich erfüllen. Die ſchöne Roman war ganz verdutzt. Ich ließ ſie ſprechen, und wir ſetzten uns zu Tiſch.

Anfangs ſtockte die Unterhaltung, dann aber ſprach man von tauſend Kleinigkeiten, wie man es in allen Ge⸗ ſellſchaften thut; ſodann kam, wie ich vorausgeſehn, das Geſpräch wieder auf den Gegenſtand, welcher Alle beſchäf⸗ tigte. Nach dem Heroscope, ſagte die Tante, ſoll der Kö⸗ nig ſich in meine Nichte vor ihrem achtzehnten Jahre ver⸗ lieben; ſie nähert ſich dieſem Alter. Was ſollen wir da machen? Wo ſind die hundert Louisd'ors, die zu einer ſol⸗ chen Reiſe nöthig ſind? Und wenn ſie auch wirklich nach Paris kommt, ſoll ſie zum Könige gehn und ſagen: Hier