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Kuß vom vorigen Tage hatte ſie mir gewiſſermaßen ein
Draufgeld gegeben. Ich bitte ſie, mir mein Taſchentuch zu geben und ergreife ihre Hand, indem ich ſie ſanft an mich ziehe. Ihr Mund fiel auf den meinigen, und ihre Hand, welche ſie mir mit der Sanftmuth eines Engels überließ, war ſchon in Bewegung, als die widerwärtige Roſa mit meiner Chocolade eintrat. Wir faßten uns augenblicklich, aber dieſes Mißlingen machte mich wüthend. Ich ſchmollte auf Roſa, und ich hatte ein Recht dazu wegen der Art und Weiſe, wie ſie mich vor einer Viertelſtunde zurückge⸗ ſtoßen. Die Chocolade ſchien mir ſchlecht gekocht, obwohl ſie vortrefflich war; ich fand ſie linkiſch in ihrem Dienſte und behandelte ſie ohne alle Schonung. Nachdem ich auf⸗ geſtanden war, wollte ich mich nicht von ihr raſiren laſſen; ich raſirte mich ſelbſt, was ſie zu demüthigen ſchien; ſo⸗ dann friſirte mich Mariechen. Roſa und ihre Couſine ent⸗ fernten ſich, wie um zu zeigen, daß ſie gemeinſame Sache machten; aber es war leicht zu errathen, daß Roſa weniger ihrer Schweſter, als ihrer Couſine zürnte.
Herr von Valenglard trat ein, während Mariechen mich ankleidete. Als wir allein waren, ſagte dieſer Of⸗ fizier, welcher viel Ehrgefühl und geſunden Menſchenver⸗ ſtand hatte, obwohl er an die Aſtrologie und die abſtrakten Wiſſenſchaften glaubte, er finde mich etwas traurig, und wenn die Veranlaſſung dazu von der jungen Roman aus⸗ gehe, ſo rathe er mir, nicht an ſie zu denken, wenn ich ſie nicht heirathen wolle. Ich erwiederte ihm, ich ſei, um der Sache ſchnell ein Ende zu machen, entſchloſſen, binnen we⸗ nig Tagen Grenoble zu verlaſſen. Wir ſpeiſten zuſammen; ſodann begaben wir uns zu Madame Morin, wo wir ihre ſchöne Nichte fanden.
Madame Morin empfing mich mit ſchmeichelhafter Freundlichkeit, und auch Fräulein Roman nahm mich auf
ſie zu umarmen und auf meine Knie zu ſetzen. Die Tante lachte, die Nichte erröthete, gab mir ſodann einen kleinen Zettel und entfloh. Ich las das Jahr, den Tag, die Stunde und die Minute ihrer Geburt, und errieth nun
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eine ſehr zuvorkommende Weiſe auf, was mich ermunterte,


