ſeinem jetzigen Alter begegnet. Geſchickterweiſe hätte ich in der Unterhaltung vom vorigen Tage einige Nachrichten er⸗ haſcht und da ich das Uebrige der Wahrſcheinlichkeit gemäß zugeſtutzt und allen meinen Anführungen einen pythiſchen An⸗ ſtrich gegeben, fand es ſich, daß ich richtig geahnt, und man zweifelte nun nicht mehr an meiner Prophetengabe. Uebrigens wagte ich nichts, denn alle meine Prophezeiungen hatten ein Wenn, und in den Wenns beſtand immer die Wiſſenſchaft der närriſchen oder ſchurkiſchen Aſtrologen.
Ich las mein Horoscop wieder durch und fand es ganz vortrefflich; ich war im Zuge, und meine Uebung in der Kabbala erleichterte mir die Sache.
Einen Augenblick nach zwölf Uhr erſchienen alle meine Gäſte, und um ein Uhr ſetzten wir uns zu Tiſch. Nie habe ich ein üppigeres und feineres Mahl geſehn. Ich ſah wohl, daß mein Hauswirth ein Mann war, deſſen Schwung
man eher mäßigen als ſtacheln muß. Madame Morin war ſehr liebenswürdig gegen die drei Mädchen, welche ſie
kannte, und Le Due ſtand beſtändig hinter ihrem Stuhle, aufmerkſam auf ſeinen Dienſt und ſo prachtvoll, wie ein königlicher Kammerherr gekleidet. Als mir am Schluſſe des Eſſens Fräulein Roman über die drei Schönheiten, welche ich in dieſer hübſchen Wohnung in meinem Dienſte habe, ein Compliment machte, erhielt ich Gelegenheit von ihrem Talente zu ſprechen, und um dafür einen Beweis zu liefern, ſtand ich auf und holte die Handſchuhe, welche ich ihnen abgekauft. Fräulein Roman lobte ihre Qualität und Arbeit. Ich beeilte mich die Gelegenheit beim Schopfe zu faſſen, und bat ihre Tante um die Erlaubniß, einer jeden von ihnen ein Dutzend anzubieten. Nachdem ich dieſe Be⸗ günſtigung erlangt, überreichte ich Madame Morin mein Horoscop. Ihr Mann las es, und obwohl er nicht daran glaubte, war er genöthigt, es zu bewundern, denn es war auf den Einfluß der Planeten, welche zur Zeit der Geburt ſeiner Tochter am Himmel ſtanden, baſirt. Wir ſprachen einige Stunden lang von Aſtronomie und ſpielten einige fernere Stunden Quadrille. Sodann machten wir einen


