Teil eines Werkes 
11. Bd. (1850)
Entstehung
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ich neugierig zu ſehn, welche Erfolge ich bei ihr erlangen würde. Sie war tugendhaft und arm, und ich tugenhaft nach meiner Weiſe; ſie konnte alſo meine Freundſchaft nicht verachten.

Um acht Uhr brachte mir eine der Töchter des Haus⸗ warts meine Chocolade und ſagte mir, Le Duc habe das Fieber.

Man muß den armen Jungen pflegen.

Meine Couſine hat ihm Boutlllon gebracht.

Wit heißen Sie, Fräulein?

Ich heiße Roſa, mein Herr, und meine Schweſter Mariechen.

Mariechen kam in dieſem Augenblicke mit meinem Hemde, deſſen Spitzen ſie ausgebeſſert. Ich dankte ihr, und ſie ſagte erröthend, ſie friſire ihren Vater ſehr gut.

Das freut mich, Fräulein, und es ſollte mir ſehr an⸗ genehm ſein, wenn Sie bis zur Wiederherſtellung meines Bedienten dieſe Gefälligkeit für mich haben wollten.

Sehr gern, mein Herr.

Und ich, ſagte Roſa lachend, werde Sie rafiren.

Das möchte ich ſehn; holen Sie Waſſer.

Ich ſtehe eiligſt auf, während Mariechen die Vorberei⸗ tungen zum Friſiren traf. Roſa kam zurück und raſirte mich ganz ausgezeichnet. Als ich gewaſchen war, ſagte ich, ich muß Ihnen das Handgeld für meinen Bart geben, und reichte ihr meine Wange. Sie that ſo, als ob ſie mich nicht verſtehe. Sie würden mich kränken, ſagte ich mit ſanfter und ernſter Miene, wenn Sie mich nicht umarmten.

Sie entſchuldigte ſich mit anmuthigem Lächeln und mit dem Bemerken, daß dies in Grenoble nicht Mode ſei. Gut, wenn Sie mich nicht umarmen, ſollen Sie mich auch nicht raſi⸗ ren. Als ich dies ſagte, trat der Vater ein; er brachte mir die Karte. Ihre Tochter, ſagte ich, hat mich ausge⸗ zeichnet raſirt, aber ſie will nicht das Handgeld für meinen Bart nehmen, weil dies nicht Mode in Grenoble ſei. ECi⸗ kleine Närrin, das iſt die pariſer Mode. Du umarmſt ja mich, wenn Du mich raſirt haſt; warum wollteſt Du gegen den Herrn weniger höflich ſein? Sie umarmte mich mit

einer Miene der Unterwürfigkeit, über welche Mariechen