Teil eines Werkes 
7. Bd. (1850)
Entstehung
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dem dieſer Herr, der ſo höflich wie alle Franzoſen war, die gebräuchlichen Fragen an mich gerichtet, lud er mich zum Abendeſſen bei ſeiner Gemahlin ein, welche noch in der Ko⸗ mödie war. Dieſe Dame empfing mich auf eine ebenſo wohlwollende Weiſe wie ihr Mann. Es gab ein feines Abendeſſen, und als ſich nach demſelben noch mehrere Per⸗ ſonen eingefunden hatten, fing man an zu ſpielen; aber ich nahm keinen Theil daran, da ich die Geſellſchaft ſtudiren wollte und namentlich mehrere Land⸗ und See⸗Offiziere, welche anweſend waren. Da ich mit großer Affektation von allen europäiſchen Marinen ſprach und mich für einen Ken⸗ ner ausgab, der in der Armee meiner kleinen Republik ge⸗ dient habe, ſo brauchte ich nur drei Tage, um nicht nur die Bekanntſchaft aller Schiffs⸗Capitaine zu machen, ſondern um mich auch mit ihnen zu befreunden. Ich ſprach in den Tag hinein vom Bau der Schiffe, von der venetianiſchen Art zu manövriren und ich bemerkte, daß die braven See⸗ leute, welche mir zuhörten, mir noch größere Theilnahme ſchenkten, wenn ich Unſinn ſchwatzte, als wenn ich etwas Geſcheutes vorbrachte.

Einer der Capitaine lud mich am vierten Tage an ſei⸗ nen Bord und dies reichte hin, um auch von den andern eingeladen zu werden. Der, welcher mir dieſe Ehre erwies, beſchäftigte mich den ganzen Tag. Ich wollte Alles kennen lernen, und die Seeleute ſind ſo vertrauensvoll. Ich ſtieg in den unterſten Schiffsraum hinunter, ich that hundert Fragen, und ich fand ſo viele junge Offiziere, welche ſich gern wichtig machten, daß es mir nicht ſchwer wurde, ſie zum Sprechen zu bringen. Ich war darauf bedacht, mir Alles, was zu meinem Berichte erforderlich war, im Ver⸗ trauen mittheilen zu laſſen, und wenn ich nach Hauſe kam, ſchrieb ich alle Beobachtungen, die ich im Laufe des Tages gemacht hatte, gute wie ſchlechte, ſorgfältig nieder. Ich ſchlief nur vier bis fünf Stunden und nach vierzehn Tagen hielt ich mich für hinlänglich unterrichtet.

Die Nichtsthuerei, das Spiel, die Frivolität, meine ge⸗ wöhnlichen Gefährten, begleiteten mich nicht auf dieſer Reiſe