Werde ich das dazu nöthige Talent haben?
Ich zweifle nicht daran.
Ich fühle mich geneigt zu Allem, wodurch ich auf eine anſtändige Weiſe Geld verdienen kann. Was das Talent betrifft, ſo vertraue ich ſehr gern auf Ew. Exeellenz.
Der Schlußſatz brachte ihn zum Lachen; das wollte ich.
Nach einigen gleichgültigen Worten über alte Erinne⸗ rungen, welche die Zeit noch nicht ganz verwiſcht, bat mich der Miniſter, in ſeinem Namen zum Abbé de la Ville zu gehen. Dieſer Abbé, erſter Commis, war ein kalter Mann, tiefer Politiker, die Seele ſeines Departements, und Se. Ex⸗ cellenz legte großen Werth auf ihn. Als Geſchäftsträger im Haag hatte er dem Staate gute Dienſte geleiſtet, und „der dankbare König“ belohnte ihn, indem er ihm an ſei⸗ nem Todestage ein Bisthum ſchenkte. Die Belohnung kam etwas ſpät; aber die Könige haben nicht immer Zeit, Ge⸗ dächtniß zu haben. Der Erbe dieſes braven Mannes war ein gewiſſer Garnier, ein Glücksritter, früherer Koch bei Herrn
von Argenſon, welcher die Freundſchaft, die der Abbé de
la Ville immer für ihn gehabt, zu benutzen verſtanden. Dieſe beiden Freunde, welche faſt gleich alt waren, hatten ihre Teſtamente bei demſelben Notar niedergelegt und ſich gegenſeitig zu Univerſalerben eingeſetzt.
Nachdem der Abbé von la Ville mir über die Natur der geheimen Aufträge eine kurze Rede gehalten und mir erklärt, wie klug ſich die damit betrauten Perſonen beneh⸗ men müßten, ſagte er, er werde es mir anzeigen laſſen, wenn ſich etwas Paſſendes für mich finde und lud mich ſo⸗ dann zu Tiſche ein..
Bei Tiſche machte ich die Bekanntſchaft des Abbé Ga⸗ liani*), neapolitaniſchen Geſandſchafts⸗Secretairs. Er war
*) Ein bedeutender national⸗ökonomiſcher Schriftſteller und eine bekannte pariſer Figur. Marmontel ſagt über ihn:„Der Abbé Galiani war der niedlichſte Arlechin, welchen Italien her⸗ vorgebracht hatte; aber auf den Schultern dieſes Arlechins erhob ſich der Kopf eines Machiavelli. Er war ſeiner philoſophiſchen


