ich wartete eine Viertelſtunde; alle meine Gedanken beſtärk⸗ ten mich nur in meinem Entſchluſſe. Plötzlich kömmt mein Nebenbuhler im Schlafrock mit offenen Armen auf mich zu, umarmt mich und ſagt zu mir mit dem wohlwollendſten Tone, er habe meinen Beſuch erwartet, denn da ich ein Freund ſeiner Zukünftigen ſei, ſo könne er ſich wohl denken, welche Gefühle ſie mir eingeflößt und er werde immer ihre Gefühle für mich theilen. d
Die Phyſtognomie dieſes ehrenwerthen Mannes, ſein freimüthiges und offnes Weſen, die Wahrheit des Gefühls, welche ſich in ſeinen Worten ausſprach, drückten mich nie⸗ der. Ich blieb einige Minuten lang ſtumm; ich wußte im Grunde auch nicht, was ich ſagen ſollte. Glücklicher Weiſe ließ er mir Zeit, wieder zu mir ſelbſt zu kommen; denn er ſprach eine Viertelſtunde lang mit mir, ohne zu bemerken, daß ich den Mund nicht aufgemacht.
Herr Cornemann kam, man brachte Kaffee, und ich fand die Sprache wieder; aber ich konnte ihm jetzt nur noch Höflichkeiten ſagen, und wünſche mir noch Glück dazu. Die Kriſis war vorüber.
Wenn man AOcht darauf giebt, wird man bemerken, daß die heißblütigſten Charaktere einem ſtarkangeſpannten Stricke gleichen, welcher zerreißt oder ſeine Elaſtizität ver⸗ liert. Ich habe mehrere Perſonen dieſer Art gekannt, unter andern den Chevalier L*es, der eine außerordentliche Lebendig⸗ keit hatte und dem in einem Augenblicke der Aufregung das Leben aus allen Poren ſtrömte. Wenn er im Augenblicke, wo ſeine Wuth zum Ausbruche kam, irgend einen Gegen⸗ ſtand zerbrechen konnte, ſo wurde er wieder ruhig, die Ver⸗ nunft gewann wieder die Oberhand und der wüthende Löwe wunde zum Lamme, zu einem wahren Muſter von Sanft⸗ muth.
Nachdem ich eine Taſſe Kaffee getrunken, fühlte ich mich erleichtert; wir umarmten uns, und ich entfernte mich. Ich betrachtete mich mit großer Verwunderung, aber ich war froh, daß ich meinen abſcheulichen Plan nicht ausgeführt. Was mich demüthigte, war die Betrachtung, daß ich es nur dem Zufalle zu verdanken hätte, daß ich nicht eine nieder⸗


