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daß ſie mich in dieſem Punkte nie gefällig finden wird; denn wenn ſie Dich ſähe, würde ſie Alles verrathen, und ich würde ihr ſagen müſſen, wer Du biſt. Ich bedaure, zu dieſer Zurückhaltung gegen ſie genöthigt zu ſein, aber ich bedaure durchaus nicht, daß Ihr Beide Euch liebt. Ich beklage Euch aber von ganzem Herzen, daß Ihr gezwun⸗ gen ſeid, Euch durch ein ſchreckliches Gitter zu lieben; wie gern, mein Freund, möchte ich Dir meinen Platz abtre⸗ ten! Ich würde in dieſem Falle zwei Glückliche machen. Lebe wohl!“
Ich antwortete ihr, ſte habe richtig gerathen, das Me⸗ daillon Ihrer Freundin wäre ein Geſchenk von mir und enthielte mein Portrait; aber ſie ſolle das Geheimniß be⸗ wahren und überzeugt ſein, daß meine Freundſchaft für M. M. dem Gefühle, welches mich an ſie knüpfe, keinen Eintrag thue. Ich verhehlte mir nicht, daß ich nicht den geraden Weg ging, und daß mein Benehmen nicht offen war; aber ich ſuchte mich ſelbſt zu täuſchen. So wahr iſt es, daß eine Frau, dies ſo ſchwache Weſen, durch das Ge⸗ fuhl, welches ſie einflößt, mehr imponirt, als es der ſtärkſte Mann thun könnte. Wie dem aber auch ſein mag, ich hatte die Schwäche, eine Intrigue fortführen zu wollen, welche durch die Vertraulichkeit, die ſich zwiſchen den beiden be⸗ freundeten Nebenbuhlerinnen entſponnen hatte, ihrem unver⸗ meidlichen Ende entgegen ging.
Laura hatte mir angezeigt, daß an einem beſtimmten Tage ein Ball im Sprechzimmer des Kloſters ſtattfinden ſolle, und nachdem ich beſchloſſen, maskirt, aber ſo ver⸗ kleidet, daß meine beiden Freundinnen mich nicht erkennen könnten, dorthin zu gehen, maskirte ich mich als Pierrot, welche Verkleidung die Formen und den Gang am beſten verbirgt. Ich war ſicher, daß meine beiden Freundinnen am Gitter ſein würden, und daß ich das Vergnügen haben würde, ſie zu ſehen und in der Nähe mit einander zu ver⸗ gleichen. 2
In Venedig geſtattet man während des Karnavals die⸗ ſes unſchuldige Vergnügen den Nonnen in den Klöſtern. Das Publikum tanzt im Sprechzimmer und die Schweſtern
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