Teil eines Werkes 
5. Bd. (1850)
Entstehung
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Die geheime Feder war in dem Ringe, an welchem das Portrait getragen wurde, und war daher ſehr ſchwer zu entdecken; man mußte ſehr ſtark und auf eine gewiſſe Art drücken, wenn die Feder aufgehn und mein Bild her⸗ vortreten ſollte. Wenn man ſie wieder zudrückte, ſah man nur die Verkündigung Mariä, und es war dann ein ſehr ſchöner Schmuck für eine Nonne.

Am Abend des heiligen Dreikönigstages ſteckte ich das Me⸗ daillon in die Taſche und legte mich frühzeitig auf die Lauer bei der ſchönen, dem Helden Colleoni nach ſeiner Vergiftung, wenn die geheime Geſchichte nicht lügt, errichteten Statue. Sit divus, modo non vivus*), iſt eine Sentenz des auf⸗ geklärten Monarchen, welche ſich, ſo lange es Könige giebt, erhalten wird.

Punkt zwei Uhr(nach Sonnenuntergang) ſah ich meine

Geliebte in weiblicher Kleidung und Maske aus der Gondel

ſteigen. Wir gingen in die St. Samuels⸗Oper, und nach dem Ende des zweiten Ballets in das ridotto, wo ſie ſich damit vergnügte, die patriciſchen Damen zu betrachten, welche allein das Vorrecht hatten, mit unmaskirtem Ge⸗ ſichte zu ſitzen. Nachdem wir eine halbe Stunde auf und ab ſpaziert, gingen wir in den Saal der großen Bankiers. Sie blieb vor dem Tiſche Signor Moncenigo's ſtehn, wel⸗ cher damals der anſtändigſte aller patriciſchen Spieler war. Da kein Spiel bei ihm war, ſo beugte er ſich nachläſſig zum Ohre einer maskirten Dame hinüber, welche ich erkannte:

es war Madame Maria Pitani, deren Anbeter er war.

Nachdem M. M. mich gefragt, ob ich ſpielen wolle, und ich nein geantwortet, ſagte ſie: Ich gehe zur Hälfte mit Dir, und ohne eine Antwort abzuwarten, zieht ſie eine Börſe und ſetzt auf eine Karte eine Rolle Gold. Der Bankier miſcht und zieht ab, ohne ſeine Stellung zu än⸗ dern, und meine Freundin gewinnt ihre Karte und biegt ein Paroli. Der Bankier bezahlt, nimmt ſodann ein anderes Spiel Karten und ſpricht mit ſeiner Dame weiter, ſich gleich⸗

**) Mag er ein Gott ſein, wenn er nur nicht lebt. V. 13