rer Freund, als Du auf Veranlaſſ
erhalten, wenn man ihr entweder zu viele oder gar keine Nahrung giebt. Was meine Liebe zu M. M. in ſolcher Stärke erhielt, war der Umſtand, daß ich ſie immer nur mit Gefahr, ſie zu verlieren, beſitzen konnte. Es iſt un⸗ möglich, ſagte ich zu ihr, daß nicht das eine oder andere Mal, wo Du abweſend biſt, eine Nonne mit Dir ſprechen ſollte. Nein, ſagte ſie, dieſer Fall kann nicht eintreten, denn in den Klöſtern wird nichts höher geachtet, als die Freiheit jeder Nonne, ſich ſelbſt für die Aebtiſſin unzugäng⸗ lich zu machen. Nur eine Feuersbrunſt wäre zu fürchten, denn in dieſem Falle würde eine ſchreckliche Verwirrung eintreten, und es würde nicht natürlich erſcheinen, daß bei einer ſo großen Gefahr eine Nonne ruhig in ihrer Zelle bliebe: dann würde allerdings die Entweichung bekannt werden. Ich habe die Laienſchweſter und den Gärtner, ſo wie eine andere Nonne gewonnen, und es iſt die Geſchick⸗ lichkeit, ſo wie das Gold meines Liebhabers, welche das Wunder bewirkt haben. Er ſteht mir auch für die Treue des Koches und ſeiner Frau, welcher die Aufſicht über das Caſino übergeben iſt. Er iſt auch der Treue der bei⸗ den Gondelführer ſicher, obwohl der eine unfehlbar ein Spion der Staatsinquiſitoren iſt.
Am Weihnachtsheiligabend ſagte ſie, ihr Liebhaber
werde ankommen, und am St. Stephanstag werde ſie mit—
ihm in die Oper gehen, und ſie würden dann die Nacht
mit einander zubeiigen. Ich erwarke Dich⸗ füßer Freünd,
am letzten Tage des Jahres, und hier iſt ein Brief, den ich Dich erſt zu Hauſe zu leſen bitte.
Da ich ausziehen mußte, um einem Andern Platz zu machen, ſo ſchnürte ich früh Morgens mein Bündel und verließ ein Aſyl, wo ich während zehn Tage ſo viele Genüſſe gehabt hatte; ich begab mich wieder in den Palaſt Braga⸗ dino, wo ich folgenden Brief las:
„Du haſt mich etwas unangenehm berührt, mein theu⸗ ſung des Geheimniſſes, welches ich über meinen Liebhaber beobachten muß, zu mir ſagteſt, Du wäreſt zufrieden, mein Herz zu beſitzen, und
ließeſt mir die Herrſchaft über meinen Geiſt. Dieſe Tren⸗ V.
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