Teil eines Werkes 
5. Bd. (1850)
Entstehung
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Wahrheiten, welche ich ſelbſt nicht kannte. Sie wünſchte dieſelbe von mir zu lernen; aber ſie drang deshalb nicht darauf, ſondern ſie ließ mir bloß durch Herrn von Melfort ſagen, daß ſie mir, wenn ich ihr mein Geheimniß lehren wollte, eine Anſtellung verſchaffen würde, die mir fünfund⸗ zwanzig Tauſend Francs Renten eintragen würde. Leider war die Sache nicht möglich. Ich liebte ſie bis zum Wahn⸗ ſinn, aber ich erlaubte mir nie, dies blicken zu laſſen: meine Eigenliebe hielt meine Liebe in Zaum. Ich fürchtete, daß ihr Stolz mich demüthigen könnte, und vielleicht hatte ich Unrecht. Was ich aber weiß, iſt, daß ich noch bereue, auf eine thörichte Furcht gehört zu haben. Ich erfreute mich allerdings mehrerer Vorrechte, deren ſie mich beraubt haben würde, wenn ſie meine Liebe gekannt hätte.

Eines Tages wollte ſie durch meine Cabbala erfahren, ob der Krebs, welchen Madame de la Popelinière am Bu⸗ ſen hatte, geheilt werden könnte, und ich hatte die Launen⸗ haftigkeit ihr die Antwort zu geben, daß dieſe Dame keinen K Krebs habe und ſich ganz wohl befinde. Wie! rief ſie aus, ganz Paris glaubt es doch, und ſie veranſtaltet eine Con⸗ ſultation nach der andern! Indeß glaube ich der Cabbala.

Als ſie den Herzog von Richelieu bei Hofe ſah, ſagte ſie zu ihm, ſie wäre ſicher, daß Madame de la Popelinière nicht krank wäre. Der Marſchall, welcher im Geheimniſſe war, antwortete ihr, ſie irre ſich; aber ſie ſchlug ihm eine Wette von 100,000 Francs vor. Ich zitterte, als die Her⸗ zogin mir dies mittheilte. Iſt er darauf eingegangen? fragte ich ängſtlich.

Nein, es hat ihn in Erſtaunen geſetzt, und Sie wiſſen,. daß er es wiſſen muß.

Drei oder vier Tage darauf erzählte ſie mir mit triumphirender Miene, Herr von Richelieu habe ihr geſtan⸗ den, daß der angebliche Krebs nur eine Liſt wäre, um das Mitleiden ihres Mannes zu erregen, zu welchem ſie zurück⸗ zukehren wünſchte,*) ſie fügte hinzu, der Marſchall habe

*) Die Frau des als Mäzen aller Schriftſteller, Künſtler ꝛc. bekannten Finanzier de la Popelinière, deſſen Haus ſich auch Rouſſeau eröffnet hatte, litt nichts deſto weniger an dem erwähn⸗ ten Uebel. Die Erwähnung der durchbrochenen Mauer iſt richti