Teil eines Werkes 
5. Bd. (1850)
Entstehung
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zog das Portrait aus der Taſche, betrachtete die Kleine ge⸗ nau und ſagte: Ich habe nie etwas ſo Aehnliches geſehen. Darauf ſetzte er ſich, nahm die Kleine auf die Kniee, lieb⸗ koſete ihr und gab ihr einen Kuß, nachdem er ſich mit ſei⸗ ner königlichen Hand vergewiſſert, daß die verbotene Frucht noch nicht gepflückt war. O⸗Morphi betrachtete ihren Herrn aufmerkſam und lachte. Worüber lachſt Du. Ich lache darüber, daß Sie einem Sechsfrankenthaler wie ein Waſſertropfen dem andern ähneln. Ueber dieſe Naivetät lachte der König laut auf und

1 fragte ſie, ob ſie in Verſailles bleiben wolle. Das hängt von meiner Schweſter ab, ſagte die Kleine. Aber dieſe Schweſter beeilte ſich dem Könige zu ſagen, daß ſie kein b: größeres Glück wünſche. Der König ſchloß ſte von Neuem

2 ein und entfernte ſich; aber eine Viertelſtunde darauf holte ſie St. Quentin ab, brachte die Kleine in ein Gemach, wo er ſie einer Frau übergab und ging mit der ältern Schwe⸗ ſter zu dem Maler, dem er funfzig Louisd'ors, und der Moeh nichts, auszahlte. Er ließ ſich blos deren Adreſſe geben und verſicherte ihr, daß ſie weiter von ihm hören würde. In der That erhielt ſie am folgenden Tage tauſend Louisd'ors. Der gute Deutſche gab mir fünfundzwanzig Louisd'ors für mein Portrait, und erbot ſich das, welches Patu beſaß, aufs genaueſte zu copiren. Zugleich erbot er ſich, mir alle Mädchen zu malen, zu denen ich Luſt bekom⸗ men würde.

Ich empfand ein wahres Vergnügen, als ich ſah, mit welcher Freude die gute Flamländerin ihre fünfhundert Dop⸗ pellouisd'ors betrachtete. Da ſie ſich reich ſah und mich für den Urheber ihres Reichthums hielt, ſo wußte ſie nicht, wie ſie mir ihren Dank bezeigen ſollte.

Die junge und ſchöne O⸗Morphi, denn ſo nannte ſie der König, gefiel dem Monarchen mehr noch als durch ihre ſeltene Schönheit, die regelmäßigſte, deren ich mich entſinne, Auch ihre Naivetät und ihr artiges Benehmen. Er ließ ſie in einem Gemach ſeines Parc- aux-Cerfs unter

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