Teil eines Werkes 
5. Bd. (1850)
Entstehung
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Ich war entzückt über das Portrait; es war ſprechend ähn⸗ lich, und ich ſchrieb darunterO⸗Morphi, welches zwar kein homeriſches, aber nichtsdeſtoweniger ein griechiſches Wort iſt und ſchön bedeutet.

Wer kann aber wohl die geheimen Wege des Schick⸗ ſals errathen? Mein Freund Patu bekam Luſt, ſich eine Copie von dieſem Portrait machen zu laſſen: einen ſo ge⸗ ringen Dienſt verweigert man einem Freunde nicht, und der⸗ ſelbe Maler bekam den Auftrag. Aber dieſer Maler wurde nach Verſailles gerufen, zeigte hier das reizende Gemälde mit anderen Portraits, und Herrn von Saint⸗Quentin fand daſſelbe ſo ſchön, daß er nichts Eiligeres zu thun hatte, als es dem Könige zu zeigen. Se. allerchriſtlichſte Majeſtät, welche in dieſem Fache großer Kenner war, wollte ſich mit eigenen Augen überzeugen, ob der Maler treu copirt hätte und ob das Original ebenſo ſchön wäre, wie die Copie, und der Sohn Ludwigs des Heiligen wußte wohl, wozu er daſ⸗ ſelbe gebrauchen würde.

Herr von Saint⸗Quentin, dieſer gefällige Freund des

Fuürſten, wurde mit der Sache beauftragt: darin beſtand

ſein ganzes Miniſterium. Er fragte den Maler, ob das Original nach Verſailles gebracht werden könnte, und der Künſtler, welcher die Sache für ſehr möglich hielt, verſprach ihm, ſich danach zu erkundigen.

Er theilte mir in Folge deſſen den Vorſchlag mit, und da ich ihn ausgezeichnet fand, ſo hinterbrachte ich ihn ohne Zögern der älteſten Schweſter, welche vor Freude außer ſich gerieth. Sie ſäuberte alſo ihre jüngſte Schweſter, be⸗ ſorgte ihr eine reinliche Kleidung, und zwei oder drei Tage darauf reiſten ſie mit dem Maler nach Verſailles, um das Experiment zu machen. Da der Kammerdiener des Mini⸗ ſters der Lieblingsvergnügungen⸗ des Königs von ſeinem Herrn inſtruirt worden war, ſo empfing er die beiden Weiber und ſchloß ſie in einen Pavillon des Parks, wäh⸗ rend der Maler im Gaſthofe den Ausgang ſeines Vormit⸗ tagsverſuches abwartete.. Eine Stunde darauf kam der König allein in den Pa⸗ fragte die junge O⸗Morphi, ob ſie Griechin wäre,