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dieſes Harems des wollüſtigen Monarchen, in welches mit Ausnahme der bei Hofe vorgeſtellten Damen Niemand eingelaſſen wurde. Nach Verlauf eines Jahres kam die Kleine mit einem Sohne nieder, welcher, wie ſo viele andere, verſchwand; denn ſo lange die Königin Maria lebte, er⸗ fuhr man nicht, wo die natürlichen Kinder Ludwig's XV. hinkamen.
Die O⸗Morphi fiel nach Ablauf von drei Jahren in Ungnade, als aber der König ſie wegſchickte, ſchenkte er ihr eine Mitgift von 400,000 Francs, welche ſie einem breto⸗ niſchen Offizier zubrachte. Als ich 1783 in Fontainebleau war, machte ich die Bekanntſchaft eines liebenswürdigen fünfundzwanzigjährigen jungen Mannes, welcher die Frucht dieſer Ehe und ein wahres Portrait ſeiner Mutter war, de⸗ ren Geſchichte ihm gänzlich unbekannt war und welche ich ihm auch nicht mittheilen zu müſſen glaubte. Ich ſchrieb meinen Namen in ſein Taſchenbuch und bat ihn, ſeiner Frau
Mutter mein Compliment zu machen.
Eine Bosheit von Frau von Valentinois, Schwägerin des Prinzen von Monaco, veranlaßte die Ungnade der ſchö⸗ nen O⸗Morphi. Dieſe in Paris ſehr bekannte Dame ſagte eines Tages zu der jungen Perſon, wenn ſie den König
recht zum Lachen bringen wolle, ſo brauchte ſie ihn blos zu
fragen, wie er ſeine alte Frau behandele. Da das junge Mädchen zu einfältig war, um die ihr geſtellte Schlinge zu errathen, ſo richtete ſie dieſe freche Frage an den König; aber der erbitterte Ludwig XV. ſchleuderte ihr einen ſchrecklichen Blick zu und ſagte: Unglückliche! wer hat Dich angeleitet, dieſe Frage an mich zu richten? Die arme O⸗Morphi, welche mehr todt als lebendig war, warf ſich ihm zu Füßen und ſagte die Wahrheit.*)
*) Frau von Campan erzählt folgende ganz ähnlich lautende Geſchichte:„Eines Tages ſagte Fräulein von*** mit ſpöttiſchem
Lächeln zum Könige: Wie weit ſind Sie denn jetzt mit der alten
Kokette? Der König, welcher feſt überzeugt war, daß ſie eine ſolche
Frage nicht aus eigenem Antriebe gethan, hielt ſich für beleidigt,
te die Augenbrauen, biß ſich in die Lippen und Fräulein


