194
ſirt man denn eine Operntänzerin wie einen erſten Miniſter? Ich kann eine Menuet tanzen und habe Gehör genug, um einen Contretanz tanzen zu können; ſonſt aber kann ich kei⸗ nen Pas machen.
Die meiſten Figurantinnen wiſſen nicht mehr als Sie.
Und was ſoll ich von Herrn Lani fordern? Denn, wie es mir ſcheint, kann ich keine großen Anſprüche machen. Nichts. Denn die Opernfigurantinnen werden nicht bezahlt.—
Dann bin ich ja ſo weit wie jetzt, ſagte ſie ſeufzend; und wovon ſoll ich leben?
Kümmern Sie ſich darum nicht. So wie Sie ſind, werden Sie bald zehn reiche Herrn finden, welche ſich um die Ehre ſtreiten werden, dem Mangel des Honorars abzu⸗ helfen. Ihre Sache wird es ſein, eine gute Wahl zu tref⸗ fen, und ich bin überzeugt, daß wir Sie bald ſtrotzend von Diamanten ſehen werden.
—
Jetzt verſtehe ich, Sie glauben, daß mich ein vorneh⸗.
mer Herr unterhalten wird? 3 Richtig; und das will mehr ſagen, als 400 Franks Gehalt, welche Sie auch nur durch dieſelben Opfer erlan⸗
gen können. Verwundert ſchaut ſie mich an, um ſich zu überzeugen,
ob dies Ernſt und nicht ein ſchlechter Spaß wäre.
Nachdem ſich Baletti entfernt, ſagte ich zu ihr, daß dies das Beſte wäre, was ſie thun könnte, wenn ſie es nicht vorzöge, Kammerfrau einer vornehmen Dame zu werden.
Ich möchte nicht einmal Kammerfrau der Königin ſein.
Und Opernfigurantin?
Eher.
Sie lachen? 8
Ja, weil es zum Todtlachen iſt. Maitreſſe eines vor⸗ nehmen Herrn, welcher mich mit Diamanten bedecken wird! Ich will den älteſten wählen.
Vortrefflich, meine Theure; aber geben Sie ihm keinen Anlaß zur Eiferſucht,


