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er Sie weggeſchickt hat, allein mit mir aufs Land gegangen ſind, und daß er nicht ermangeln würde zu ſagen, er habe Sie nur ſo behandelt, wie Sie es verdienten. Wenn Sie aber mit Ihrem Bruder und mir, Ihrem Landsmanne, ge⸗ hen, ſo werden Sie der böſen Nachrede und Verläumdung keinen Vorwand geben.
Ich ſchäme mich, daß ich dieſe weiſe Betrachtung nicht gemacht habe. Wir wollen alſo warten, bis der Bruder zu⸗ rückkömmt.
Er kam bald zurück, und nachdem ich einen Fiaker hatte holen laſſen, ſchickten wir uns an abzufahren, als Ba⸗ letti kam. Ich ſtelle ihn der jungen Perſon vor, und lade ihn ein mitzukommen. Er nimmt es an, und wir fahren ab. Da ich keinen andern Zweck hatte als die junge Per⸗ ſon zu erheitern, ſo nannte ich dem Kutſcher Gros⸗ Caillou, wo wir ein ausgezeichnetes improviſirtes Mittags⸗ eſſen einnahmen und wo die Heiterkeit uns für die ſchlechte Bedienung entſchädigte.
Da Veſtan ſeinen Kopf ſchwer werden fühlte, ſo machte er nach Tiſche einen Spatziergang und ich blieb allein mit Fräulein Veſian und meinem Freund Baletti. Ich bemerkte
mit Vergnügen, daß Baletti die junge Perſon liebenswür⸗
dig fand, und kam auf den Gedanken, ihm den Vorſchlag zu machen, daß er ihr im Tanzen Unterricht gäbe. Ich un⸗ terrichte ihn von der Lage der jungen Perſon, von der Ver⸗ anlaſſung, welche ſie nach Paris geführt, von der geringen Hoffnung, die ſie habe, eine Penſion vom Könige zu erlan⸗ gen, und von der Nothwendigkeit, in welcher ſie ſei, eine Beſchäftigung zu finden, durch welche ſie ihren Lebensun⸗ terhalt verdienen könne. Baletti erklärte ſich zu Allem be⸗ reit, und nachdem er die Anlagen und den Wuchs der jun⸗ gen Perſon geprüft, ſagte er: Ich werde ſchon Mittel fin⸗
den, ſie bei Lani als Figurantin in den Ballets der Oper anzubringen.
Sie müſſen alſo, ſagte ich, morgen anfangen, ihr Un⸗
terricht zu geben. Das Fräulein iſt meine Nachbarin.
Die junge Veſian, welcher dieſer Plan ſehr behagte, fing aus vollem Herzen zu lachen an und ſagte: Improvi⸗ Iü. 143
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