zu denken, ſo bin ich zufrieden. Ich Unglückliche, es giebt ſonſt Niemand auf der Welt, welcher daran denkt.
Sie war ſo gerührt, daß ſie ohnmächtig wurde. Ich eilte ihr zu Hülfe, ohne Jemand zu rufen, und ſobald ſie wieder zur Beſinnung gekommen war, erzählte ich ihr tau⸗ ſend wahre oder erlogene Geſchichten von den Spitzbübereien, welche in Paris die Leute Leehen die keine andere Abſicht haben als Mädchen zu betrügen. Ich erzählte ihr luſtige, um ſie zu erheitern und ſagte endlich, ſie möchte dem Himmel für ihr Zuſammentreffen mit dem Grafen von Narbonne danken; denn dies Unglück würde ſie in Zukunft vorſichtiger machen.
Während dieſes langen Zwiegeſprächs wurde es mir nicht ſchwer, mich aller Zärtlichkeitsäußerungen zu enthal⸗ ten; ich faßte nicht einmal ihre Hand, denn das Gefühl, welches ich für ſie empfand, war das des zärtlichen Mitleidens und ich edſand ein wahres Vergnügen, als ich ſie nach zwei Stunden ruhig und entſchloſſen ſah, ihr Unglück wie eine Heldin zu tragen.*
Sie ſteht plötzlich auf und mich mit einer Miene be⸗ ſcheidenen Vertrauens anſehend, ſagte ſie: Haben Sie nichts⸗Dringendes zu thun, was Ihre Gegenwart heut. er⸗ fordert?
Nein, meine Theure.
Wolan! ſo haben Sie die Güte mich inendhin au⸗ ßerhalb Paris zu führen, wo ich friſche Luft athmen kann: ich werde dort das Ausſehen wiederbekommen, welches Sie für nöthig halten, um Theilnahme zu erregen, und wenn ich dann die Nacht ruhig ſchlafen kann, ſo werde ich wieder glücklich werden.
Ich danke Ihnen für dies Vertrauen: ich werde mich ankleiden und wir wollen ausgehen. Unterdeß wird Ihr Bruder zurückkommen.
Was brauchen wir meinen Bruder?—
Wir brauchen ihn ſehr nöthig. Bedenken Sie, meine Theure, daß Sie Narbonne wegen ſeines Benehmens ſcham⸗ roth machen müſſen. Bedenken Sie, daß er triumphiren wyürde, wenn er erführe, daß Sie an demſelben Tage, wo


