Teil eines Werkes 
4. Bd. (1850)
Entstehung
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hatte. Das niederträchtige Benehmen Narbonne's empörte mich ſo ſehr, daß, wenn ich gewußt hätte, wo er zu finden geweſen wäre, ich ihn zur Rechenſchaft gezogen haben würde. Ich hütete mich wohl, das arme junge Mädchen um die ausführliche Geſchichte ihres Aufenthalts bei dem Herrn von Narbonne zu bitten; ich errieth mehr, als ich wiſſen mochte, und ich würde Fräulein Veſian gedemüthigt haben, wenn ich eine Erzählung von ihr gefordert hätte. Uebri⸗ gens war mir die Gemeinheit des Grafen ſchon dadurch erwieſen, daß er ihr eine Uhr abgenommen, welche er ihr geſchenkt und welche die arme Perſon nur zu wohl verdient hatte. Ich that mein Möglichſtes, um ihren Thränen Ein⸗ halt zu thun, und ſie bat mich, für ſie die Geſinnung eines Vaters zu haben und verſicherte mir, daß ſie nichts mehr thun würde, was ſie meiner Freundſchaft unwerth machen könnte, da ſie ſich nur von meinem Rathe leiten laſſen wollte.

Wolan! meine Theure, Sie müſſen jetzt nicht nur den unwürdigen Grafen und ſein ſchändliches Benehmen gegen Sie, ſondern auch Ihren Fehltritt vergeſſen. Was geſche⸗ hen iſt, iſt geſchehen und gegen das Vergangene giebt es kein Mittel; aber beruhigen Sie ſich und nehmen Sie wie⸗ der das ſchöne Ausſehn an, welches vor acht Tagen auf ihren Zügen glänzte. Damals las man auf demſelben, die Ehrbarkeit, die Aufrichtigkeit und die edle Sicherheit, welche das Gefühl derjenigen erregt, die den Reiz derſelben kennen. Das muß wieder auf Ihrem Geſichte zu leſen ſein; denn nur dies erweckt die Theilnahme ehrenwerther Leute und Sie bedürfen derſelben jetzt mehr denn je. Was meine Freundſchaft betrifft, ſo iſt dieſe von geringem Werthe; aber Sie können jetzt um ſo mehr auf dieſelbe rechnen, als Sie

einen Rechtsanſpruch darauf haben, den Sie vor acht Tagen

nicht hatten. Ich bitte Sie überzeugt zu ſein, daß ich Sie nicht verlaſſen werde, ehe Sie nicht eine paſſende Stellung gefunden haben. Für den Augenblick kann ich Ihnen nicht mehr ſagen; aber verlaſſen Sie ſich darauf, daß ich an Sie denken werde.

Ach, mein Freund, wenn Sie mir verſprechen an mich

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