189
albernen Zartgefuͤhls, denn ich ſehe voraus, daß der Graf ſie nicht glücklich machen wird. Ich waſche meine Hände in Unſchuld. Ich kleide mich an, um ins Théâtre-Français zu gehen, und erkundige mich nach Narbonne. Er iſt, ſagte der Erſte, den ich fragte, der Sohn eines reichen Mannes, ein großer Wüſtling und hat ungeheure Schulden. Das ſind ſchöne Nachrichten! Acht Tage laͤng beſuchte ich alle Theater und öffentlichen Orte, um den Grafen von Nar⸗ bonne kennen zu lernen; da mir dies aber nicht gelang, ſo fing ich an, das Abenteuer zu vergeſſen, als gegen acht Uhr Morgens Veſian in mein Zimmer kommt und mir ſagt, daß ſeine Schweſter in ſeinem Zimmer wäre und mich zu ſprechen wünſchte. Ich eile zu ihr und finde ſie traurig und mit rothen Augen. Sie ſagte zu ihrem Bruder, er möchte ſpatzieren gehen, und begann dann folgendermaßen:
Herr von Narbonne, welchen ich für einen anſtändigen Mann hielt, weil ich einen ſolchen brauchte, ſetzte ſich neben mich an den Ort, wo Sie mich verließen; er ſagte, meine Erſcheinung intereſſire ihn und fragte mich, wer ich ſei. Ich ſagte ihm, was ich Ihnen ſelbſt geſagt. Sie verſprachen mir, ſich mit mir zu beſchäftigen; aber Narbonne ſagte, er brauche ſich nicht mit der Sache zu beſchäftigen, weil er ſelbſt etwas thun könnte. Ich glaubte ihm und wurde durch mein Vertrauen getäuſcht; er hat mich betrogen, er iſt ein Schurke.
Da die Thränen ſie erſtickten, ſo ging ich ans Fenſter, um ſie ungeſtört weinen zu laſſen: einige Minuten darauf kam ich zurück und ſetzte mich neben ſie. Sagen Sie mir Alles, theure Veſian, erleichtern Sie ſich und halten Sie ſich mir gegenüber nicht für ſchuldig; denn im Grunde iſt mein Unrecht größer als das Ihrige; Sie würden nicht den Kum⸗ mer empfinden, welcher Ihnen jetzt die Seele zerreißt, wenn ich nicht die Unbeſonnenheit begangen hätte, Sie in die Komödie zu führen.
Ach, mein Herr, ſagen Sie das nicht; ſoll ich Ihnen zuͤrnen, weil Sie mich für vernünftig gehalten haben?
Kurz, das Ungeheuer verſprach mir ſeine ganze Theil⸗ nahme unter der Bedingung, daß ich ihm einen unzweideuti⸗


