Teil eines Werkes 
4. Bd. (1850)
Entstehung
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und ich fühlte mich ſtark genug, um ſie einſtweilen zu ſchützen. Ich bat Sylvia mit Frau von Monteonſeil, welche viel Einfluß auf den Kriegs⸗Miniſter hatte, davon zu ſpre⸗ chen. Sie verſprach es, wollte aber vorher die junge Dame kennen lernen.

Ich kam um elf Uhr nach Hauſe, und da ich im Zim⸗ mer der jungen Perſon noch Licht ſah, ſo klopfte ich an. Sie öffnete mir mit dem Bemerken, daß ſie ſich nicht zu Bette gelegt, weil ſie gehofft, mich noch zu ſehen, und ich berichtete ihr, was ich gethan: ich fand ſie bereit zu Allem und durchdrungen von Dankbarkeit. Sie ſprach von ihrer Lage mit dem Anſtriche edler Gleichgültigkeit, welchen ſie annahm, um nicht zu weinen. Sie hielt ihre Thränen zu⸗ rück, aber ihre feuchten Augen zeigten, welche Anſtrengung es ihr koſtete, dieſelben zurückzuhalten. Wir plauderten zwei Stunden lang und ich erfuhr hierbei von ihr, daß ſie noch nie geliebt, daß ſie alſo eines Liebhabers würdig wäre, der ſie für das Opfer ihrer Tugend angemeſſen belohnen könnte. Es war lächerlich zu glauben, daß dieſe Belohnung eine Heirath ſein müßte. Die junge Veſian hatte den Fehl⸗ tritt noch nicht gethan, aber ſie war weit entfernt von der Ziererei der Mädchen, welche ſagen, ſie würden ihn um al⸗ les Geld der Welt nicht thun und welche ſich beim erſten Sturme ergeben: ſie wollte ſich nur auf eine angemeſſene und vortheilhafte Weiſe hingeben.

Ich ſeufzte, als ich ihre Reden hörte, welche in Be⸗ tracht der Lage, in welche ein hartes Schickſal ſie gebracht hatte, im Grunde ſehr verſtändig waren. Ihre Aufrichtig⸗ keit entzückte mich: ich brannte. Lucia von Paſean kam mir wieder ins Gedächtniß; ich erinnerte mich meiner Reue, daß ich eine zarte Blume vernachläſſigt, welche ein Anderer, we⸗ niger Würdiger, ſich zu pflücken beeilt: ich fühlte, daß mir ein Lamm übergeben war, welches die Beute eines rei⸗ ßenden Wolfs werden konnte, ſie, die nicht für ein verwor⸗ fenes Leben erzogen war, die edle Empfindungen, eine gute Erziehung und eine Kindlichkeit hatte, welche der erſte un⸗ reine Hauch unwiederbringlich zerſtören konnte. Ich be⸗ dauerte es, daß ich ſie nicht auf dem Wege der Ehre und