Teil eines Werkes 
4. Bd. (1850)
Entstehung
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woraus man hätte ſchließen können, daß ſie mit ihrer Tu⸗ gend paradiren wolle, obwohl ſie ein gewiſſes ſchamhaftes Ausſehen hatte, das Jedem, der ihr zu nahe treten wollte, imponiren mußte. Ich verſpürte die Wirkung an mir ſelbſt; denn trotz ihrer ſchönen Augen, ihres ſchönen Wuchſes, ih⸗

rer friſchen Farbe, ihrer ſchönen Haut, ihres Negligé, über⸗ haupt Alles deſſen, was einen Menſchen in Verſuchung bringen kann und was ſonſt die glühendſten Begierden bei z. mir entflammte, fühlte ich keine Anwandlung: ſie hatte mir

ein Gefuͤhl der Achtung eingeflößt, welches mich zum Herrn über mich ſelbſt machte, und ich legte mir ſelbſt das Ver⸗ ſprechen ab, nichts gegen ſie zu unternehmen und um keinen Preis der Erſte zu ſein, welcher ſie auf einen ſchlechten Weg brächte. Ich glaube ſogar den Verſuch, ſie auszuholen, um dadurch vielleicht zu einem andern Syſteme zu kommen, auf eine andere Zeit verſchieben zu müſſen. Sie ſind, ſagte ich zu ihr, in eine Stadt gekommen, wo Ihr Schickſal ſich entwickeln muß, und wo alle ſchönen Eigenſchaften, mit de⸗ nen die Natur Sie geſchmückt, und welche geeignet ſcheinen, Ihnen den Weg zum Glück zu bahnen, die Veranlaſſung zu Ihrem Verderben werden können; denn hier, theure Lands⸗ männin, verachten die Reichen alle ausſchweifenden Mädchen, ausgenommen diejenigen, welche ihnen ihre Tugend geopfert haben. Wenn Sie Tugend haben und dieſelbe bewahren wollen, ſo bereiten Sie ſich darauf vor, großes Elend zu erdulden, falls Ihnen nicht ein außerordentlicher Zufall zu Hülfe kommt; und wenn Sie ſich über das, was man Vor⸗ urtheil nennt, völlig erhaben fühlen, wenn Sie endlich ge⸗ neigt ſind, Alles einzugehen, um ſich eine behagliche Stel⸗ lung zu verſchaffen, ſo ſehen Sie ſich wohl vor, daß Sie nicht betrogen werden. Seien Sie mißtrauiſch gegen die

ſußen Worte, welche ein feuriger Mann Ihnen ſagt, um

Ihre Gunſt zu erlangen; denn nach dem Genuſſe erliſcht

das Feuer und Sie würden betrogen ſein. Hüten Sie ſich

auch wohl, uneigennützige Empfindungen bei denen voraus⸗ zuſetzen, welche Sie beim Anblicke Ihrer Reize in Erſtaunen gerathen ſehen; dieſelben werden Ihnen falſche Münze in Fülle geben; laſſen Sie ſich aber nicht leicht zufriedenſtellen.

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