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ſehr naive Weiſe aber nicht ohne eine gewiſſe Würde, ihre kurze Geſchichte, oder vielmehr ihren jetzigen Zuſtand und endete mit den Worten: Ich muß mir im Laufe des Tages eine weniger theure Wohnung verſchaffen, denn ich habe nur noch ſechs Francs.
Ich fragte ſie, ob ſie ein Empfehlungsſchreiben habe und ſie zieht aus ihrer Taſche ein Paket Papiere, ſieben bis acht Beſeheinigunghen ihrer Sittlichkeit und Armuth und einen
aß. Das iſt alſo Alles, was Sie haben, theure Lands⸗ männin?
Ja; ich werde mich mit meinem Bruder dem Kriegs⸗ miniſter vorſtellen, und ich hoffe, daß er Mitleiden mit mir haben wird.
Sie kennen Niemand?
Niemand, mein Herr; Sie ſind der erſte Mann in Frankreich, welchem ich meine Geſchichte erzähle.
Ich bin Ihr Landsmann; und Sie werden mir eben
ſo ſehr durch Ihre Lage, wie durch Ihr Alter empfohlen. Ich
will Ihr Rathgeber werden, wenn Sie es wollen.
Ach, mein Herr, wie ſoll ich Ihnen danken?
Gar nicht. Geben Sie mir Ihre Papiere, und ich werde ſehen, was ich thun kann. Erzählen Sie Niemand Ihre Geſchichte. Niemand darf Ihren Zuſtand erfahren, und Sie verlaſſen dies Hotel nicht. Hier ſind zwei Louis, welche ich Ihnen leihe, bis Sie im Stande ſind ſie wieder⸗
„zubezahlen.
Sie nahm ſie dankerfüllt an. Fräulein Veſian war eine Brünette von ſechszehn Jah⸗ ren, intereſſant in der ganzen Ausdehnung des Wortes,
ſprach gut italiäniſch und franzöſiſch, hatte Formen, anmu⸗
thiges Benehmen und einen adligen Ton, welcher ihr viel Wuͤrde verlieh. Sie erzählte mir ihre Geſchichte ohne ſich zu erniedrigen und ohne jenen Anſtrich von Furchtſamkeit, welcher aus der Furcht hervorgeht, daß der Hörer die Noth des Erzählenden mißbrauchen könne. Sie hatte weder ein demüthiges noch ein kuhnes Anſehen; ſie hatte Hoffnung und rühmte ihren Muth nicht. Ihre Haltung zeigte nichts,


