Teil eines Werkes 
4. Bd. (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

178

Sachſen geweſen war und welche Favart genannt wurde, weil der Dichter dieſes Namens ſie geheirathet hatte. In der Parodie Thétis et Pelée von Fontenelle ſang ſie die

verdreht hatte. Der Paſtetenbäckerjunge entführte dem Marſchall von Sachſen ſeine Maitreſſe und entfloh mit ihr während der Be⸗ lagerung von Maſtricht. Die Nacht, in welcher ſie entwichen, war offenbar ſehr ſtürmiſch, denn die Communicationsbrücken zwi⸗ ſchen der Armee des Marſchalls und dem Corps Löwendals, wel⸗ ches jenſeit des Fluſſes ſtand, wurden fortgeriſſen, und man fürch⸗ tete, daß die Feinde dies benutzen könnten, um ſich auf dieſes Corps zu werfen und es zu vernichten. Dumesnil, welchen man damals den ſchönen Dumesnil nannte, und welchen wir an ſeiner Expedition gegen das Parlament von Grenoble haben ſterben ſe⸗ hen, tritt früh Morgens beim Marſchall ein; er findet ihn auf ſeinem Bette ſitzend, mit zerzauſten Haaren und in der Aufregung des höchſten Schmerzes; er unternimmt es, ihn zu tröſten.Das Unglück iſt ohne Zweifel groß, ſagt Dumesnil, aber es läßt ſich noch gut machen.Ach, mein Freund, antwortet der Marſchall, es giebt keine Hülfe; ich bin verloren! Dumesnil fährt fort, ſei⸗ nen geſunkenen Muth aufzurichten, und ihn wegen des Vorfalls in der Nacht zu beruhigen.Er wird, ſagt er, vielleicht nicht die gefürchteten Folgen haben. Der Marſchall fährt fort, zu raſen und ſich für einen verlornen Menſchen zu halten. Nach Verlauf einer Viertelſtunde bemerkt er endlich, daß die Reden Dumesnils ſich auf die fortgeriſſenen Brücken bezogen. Aber wer ſpricht denn, ſagt er, von den verdorbenen Brücken; das iſt ein Uebelſtand, dem ich in drei Stunden abhelfen werde. Aber die Chantilly! ſie iſt mir entführt! Der Held, dem die wich⸗ tigſte Operation nie eine ſchlafloſe Stunde gemacht hatte, war außer ſich und in Verzweiflung, weil eine jämmerliche Courtiſane ihn verlaſſen! Nach ihrem Debut in Paris heirathete das kleine Geſchöpf wirklich den Paſtetenbäckerjungen, der Schriftſteller und Dichter geworden war, und ging mit ihm, wenn ich nicht irre, nach Lothringen. Der große Moritz, gereizt durch einen Wider⸗ ſtand, den er noch nirgends gefunden, hatte die Schwäche, einen Verhaftsbefehl zu fordern, um einem Manne ſeine Frau zu ent⸗ reißen und dieſelbe zu zwingen, ſeine Concubine zu bleiben, und merkwürdig genug, dieſer Verhaftsbefehl würde bewilligt und aus⸗ geführt. Die beiden Gatten beugten ſich unter das Joch der Nothwendigkeit, und die kleine Chantilly war zugleich Favarts Frau und Moritz's von Sachſen Maitreſſe. Sie verurſachte ſogar