Teil eines Werkes 
4. Bd. (1850)
Entstehung
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ſichzum Abend ſpeiſen zu laſſen. Sie nahm ein ſchlechtes Ende und verſchwand.

In dieſer Zeit erhielten die Italiäner die Erlaubniß, auf ihrem Theater Parodieen von Opern und Tragödien aufzuführen. Ich lernte auf dieſem Theater die berühmte Chantilly*) kennen, welche Maitreſſe des Marſchalls von ʒʒ˖˖ õ 6

*) Ueber dieſe meldet Grimm Folgendes vom Jahre 1772: Das Theater der italiäniſchen Komödie hat ſo eben eine berühmte Schauſpielerin verloren, Madame Favart, welche in den letzten Tagen an einem Geſchwür in der Gebärmutter geſtorben iſt, einer ſchmerzlichen und grauſamen Krankhekt. Sie hat während ihrer ganzen Leidenszeit viel Geduld und Ausdauer gezeigt. Als ſie ſich eines Tages von einer langen Ohnmacht erholte, bemerkte ſie unter denen, welche ihre Gefahr um ſie verſammelt hatte, einen ihrer Nachbaren in einem ſehr grotesken Aufzuge; ſie fing an zu lächeln und ſagte, ſie habe den Bajazzo des Todes zu ſehen ge⸗ glaubt: ein charakteriſtiſches Wort im Munde einer ſterbenden Theaterprinzeſſin. Nie konnten die Prieſter ſie bewegen, auf das Theater zu verzichten. Sie ſagte, ſie könnte nicht mit aufrichti⸗ gem Herzen darauf verzichten und zog es vor, die Sakramente zu entbehren. Als ſie ſich aber dem Tode nahe fühlte, ſagte ſie: Nun es ſo kömmt, verzichte ich allerdings darauf. Das war ihr letztes Wort. Madame Favart war etwa funfzig Jahre alt, als ſie ſtarb; ſie war eine ſchlechte Schauſpielerin; ſie hatte eine ſchneidende Stimme, gemeines und unedles Spiel; ſie war nur in chargirten Rollen erträglich, und auch in dieſen nicht lange. Sie ſpielte ausgezeichnet die Savoyarde, welche das Murmelthier Zeigte; das war ihr ganzes Talent; dadurch hatte ſie auf dieſem Thater bei ihrem Debut im Jahr 1749 Glück gemacht. Sie nannte ſich damals Frau von Chantilly; ſie tanzte und ſang, und ihr Tanz in Holzſchuhen verdrehte ganz Paris den Kopf. Sie ging damals aus der Komödiantentruppe hervor, welche der große Moritz von Sachſen beſtändig hinter ſeiner Armee herführte. Die große Berühmtheit der Frau von Chantilly datirte von der großen Leidenſchaft, welche ſte dieſem Helden eingeflößt und für welche ſie nicht empfänglich war. Der Held ganz Frankreichs, der Sieger von Fontenoy und Laufeldt liebte zum Tollwerden ein kleines Geſchöpf, welches in Verzweiflung war, daß es für Geld ſeine Maitreſſe ſein mußte, weil ein Paſtetenbäckerfunge Namens Favart, der ſeinem Meiſter entlaufen war, um Chanſons und ko⸗ miſche Opern nach der damaligen Mode zu machen, ihr den Kopf

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