ͤ 1? INMv
171
daß er ihr dieſelben nicht ſchenken könne. Wäre Lord Al⸗ bemarle Geſandter in Frankreich zur Zeit des Bruches zwi⸗ ſchen Frankreich und England geweſen, ſo würde er Alles beigelegt haben, und der unglückliche Krieg, in welchem Frankreich Kanada verlor, würde nicht ſtattgefunden haben. Es iſt nicht zu bezweifeln, daß das gute Einverſtändniß zwiſchen zwei Nationen meiſtentheils von den Geſandten abhängt, welche ſie an den Höfen unterhalten, die in der Lage oder der Gefahr ſind ſich zu entzweien.
Was die Maitreſſe dieſes edlen Lords anbetrifft, ſo herrſchte über ſte nur eine Meinung. Sie hatte alle Eigen⸗ ſchaften, um ſeine Gemahlin zu werden, und die erſten Häuſer Frankreichs hielten den Titel Milady Albemarle nicht für nöthig, um ſie mit Auszeichnung zu empfangen, und keine Dame war verletzt, wenn ſie ſich neben ſie ſetzte, obwohl ſie nur Maitreſſe des Lords war. Sie war aus
und Liebhaber entriſſen, feſt entſchloſſen waren, nicht zu dulden, daß dieſelben auch ihren Stand uſurpirten und ſich deſſen in ih⸗ rer Mitte erfreuten. Er ſchmeichelte ſich, daß ein ſo ſchöner Cha⸗ rakter, ein ſo ſeltenes Verdienſt, ſo viele ſchätzenswerthe Eigen⸗ ſchaften, ſo viel Anſtändigkeit und Tugend ſelbſt in ihrer Schwäche die letztere in Vergeſſenheit bringen würden. Er wurde auf eine grauſame Weiſe aus ſeinem Irrthume geriſſen. Sie erfuhr De⸗ müthigungen und ſtarb vor Schmerz darüber.“
Ueber die Behandlung, welche der frühern Maitreſſe zu Theil wurde, finden wir bei der Marquiſe von Créqui folgenden Zug: „Man bemerkte dennoch Herrn von Hérouville neben einer ſchö⸗ nen, ſehr geputzten Perſon, und ſobald man erfahren, daß es ſeine Frau wäre, entſtand ein allgemeiner Aufſtand im quartier des Crussol(in dem Theile des Saales, wo der Hofadel, die Her⸗ zogin von Uſſez an der Spitze, ſich gruppirt hatte). Die Herzo⸗ ginnen von Uſſez, la Vallière und Chaſtillon ſtanden auf, grüß⸗ ten und entfernten ſich, ohne etwas zu ſagen; Frau von Coislin ſchrie laut, während ſie flüchtete; Frau von Beauvau machte ſich aus dem Staube, die von Rohans flohen und die abſcheuliche Marquiſe von Puyſieulr fand Gelegenheit, der kleinen Hündin von Madame Molé, welche ſie Lolotte nannte, einen Fußtritt zu geben und ihr zu ſagen, ſie möchte ſich aus dem Wege ſcheeren und hinter den Leuten verbergen, wobei ſie noch hinzufügte, daß Thiere dieſer Art ſich überall eindrängten.“


