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war die Maitreſſe Lord Albemarle's, des engliſchen Geſand⸗ ten, eines geiſtreichen, edlen und großmüthigen Mannes. Er
ſte hatte. Da ſie eben ſo tugendhaft wie ſchön war, ſo hatte nur ein Mann ihr gefallen können, und der entſchuldigenswertheſte Irrthum, zu welchem große Jugend die Unſchuld verleitet, hatte bei ihr einen Charakter des Adels und der Ehrbarkeit angenom⸗ men, welchen das Laſter nie hat. Treue, Anſtand, Uneigennützig⸗ keit zeichneten ihre Liebe aus, und um tugendhaft zu ſein, fehlte ihr nichts als die Rechtmäßigkeit. Dieſe beiden Liebenden wür⸗ den das vollkommenſte Muſter von Ehegatten geweſen ſein.
Der Charakter von Mlle. Gaucher ſprach ſich auf eine ſehr unmittelbare Weiſe in ihrer ganzen Perſon aus. In ihrer Schön⸗ heit lag etwas Romantiſches und Fabelhaftes, was man bis da⸗ hin nur in der Idee geſehen hatte. Ihr Wuchs hatte die Ma⸗ jeſtät der Ceder, die Schmiegſamkeit der Pappel; ihre Haltung war weich hingegoſſen, aber in der Nachläſſigkeit ihrer äußern Erſcheinung ſprach ſich eine gutkleidende und anmuthige Natür⸗ lichkeit aus. Nach ihrem meinem Gedächtniſſe gegenwärtigen Bilde habe ich die Alpenſchäferin gezeichnet. Eine lebendige Phantaſie und eine kalte Vernunft gaben ihrem Geiſte viel Aehn⸗ lichkeit mit dem Montaigne's; dieſer war ihr Lieblingsſchrift⸗ ſteller, welchen ſie unaufhörlich las; ihre Sprache war davon angeſteckt, ſie hatte dieſelbe Naivetät, Färbung, Hingebung und oft dieſelben energiſchen Wendungen und kräftigen Ausdrücke.
Soweit es möglich iſt, von einer Frau eingenommen zu ſein, ohne ſich in ſie zu verlieben, ſoweit war ich es in dieſe. Nächſt der Unterhaltung Voltaire's war die ihrige die anziehendſte für mich. Wir wurden innigſte Freunde, ſobald wir uns kennen ge⸗ lernt hatten.
Sie verlor Lord Albemarle; er hatte ihr, glaube ich, 2000 Thlr. Rente ausgeſetzt; das war ſein ganzes Vermögen. Ihr Schmerz über ſeinen Tod war tief, aber muthig; und indem ich mit ihr trauerte, bemühte ich mich, ihr im anſtändigen Er⸗ tragen ihres Unglücks beizuſtehen. Alle Freunde Mylords waren die ihrigen; ſie blieben ihr alle treu. Der Herzog von Biron, der Marquis de Caſtries und einige andere deſſelben Standes bil⸗ deten ihre Geſellſchaft. Glücklich wäre ſie geweſen, wenn ſie in einer ſo angenehmen und ſie befriedigenden Stellung geblieben und nicht durch eine Art Verhängniß in einen Stand getreten wäre, welcher nicht der ihrige war.
Ihre Geſundheit war ſchwächer geworden; man wurde un⸗ ruhig und rieth ihr die Bäder von Barréège an. Auf ihrer Hin⸗


