Teil eines Werkes 
4. Bd. (1850)
Entstehung
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etwas zu ſehr über die bloße Menſchheit Erhabenes, als daß er ſich nicht für eine Art Gott hätte halten ſollen. Trauri⸗ ges Schickſal der Könige! Gemeine Schmeichler bieten beſtän⸗ dig Alles auf, um ſie unter den Menſchen hinunterzudrücken.

Die Fürſtin von Ardore kam in dieſer Zeit mit einem jungen Fürſten nieder. Ihr Mann, welcher neapolitaniſcher Geſandter war, wünſchte, daß Ludwig XV. zu Gevatter ſtände und Ludwig XV. ging darauf ein. Er ſchenkte ſei⸗ nem Pathen ein Regiment; aber die Mutter, welche das Militair nicht liebte, nahm dies nicht an. Der Marſchall von Richelieu erzählte mir, daß er den König nie ſo herz⸗ lich habe lachen ſehen als bei der Nachricht von dieſer ſon⸗ derbaren Weigerung.

Bei der Herzogin von Fulvie lernte ich Madame Gauſſin*) kennen, welche Lolotte genannt wurde. Sie

*) Caſanova verwechſelt hier, denn die berühmte Lolotte hieß nicht Gauſſin, ſondern Gaucher. Die Gauſſin, eine berühmte Schauſpielerin der Comédie Française, eine Gönnerin von J. J. Rouſſeau, und von Voltaire an Geburtstagen mit Verſen begrüßt, war damals ſchon in ſtarker Abnahme. Die Gaucher dagegen, wiewohl auch der Bühne angehörig, genoß mehr eine ſentimentale Berühmtheit. Ueber dieſe und ihren Freund giebt Marmontel folgenden intereſſanten Bericht: Eine vom Grafen Kaunitz ganz verſchiedene und liebenswürdigere Perſon iſt dieſer Albemarle, engliſcher Geſandter, welcher in Paris ſtarb, ebenſo bedauert bei uns wie in England. Er war vorzugsweiſe das, was man einen galanten Mann nennt: er war edel, gefühlvoll, großmüthig, voll Ehre, Freimüthigkeit, Höflichkeit und Güte, und er vereinigte die beſten und ſchätzenswertheſten Eigenſchaften des franzöſiſchen und engliſchen Charakters in ſich. Er hatte zur Maütreſſe ein vollendetes Mädchen, dem der Neid ſelbſt nie etwas

nderes vorgeworfen, als daß ſie ſich ihm hingegeben. Ich machte ſie mir zur Freundin, das ſicherſte Mittel, mir Lord Albemarle zum Freunde zu machen. Der Name dieſer liebenswürdigen Per⸗ ſon war Gaucher, und ihr Kindheits⸗ und Schmeichelname war Lolotte. Zu ihr ſagte ihr Liebhaber eines Abends, als ſie einen Stern unverwandt anblickte:Betrachte ihn nicht ſo ſehr, meine Liebe, ich kann ihn Dir nicht geben. Nie hat die Liebe ſich zarter ausgebrückt. Die Liebe Mylords ehrte ih⸗ ren Gegenſtand durch die höchſte Achtung und die zärtlichſte Ehrfurcht, und er war nicht der Einzige, der dieſe Gefühle für