Teil eines Werkes 
4. Bd. (1850)
Entstehung
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hatte, war eine Komödie, welcher der König zu ſeinem Ver⸗ gnügen bis zu Ende zuſah.

Ludwig XV. war groß in Allem, und er würde ohne Fehler geweſen ſein, wenn die Schmeichelei ihn nicht ge⸗ zwungen hätte Fehler zu haben. Wie hätte er aber wohl an ſeine Fehler glauben können, wenn man ihm täglich wie⸗ derholte, daß er keinen Fehler habe? König ſein war nach der Idee, welche man ihm von ſelbſt gegeben hatte,

leidigten Familie Guerchy zu fürchten, und wahrſcheinlich um ſich dieſer zu entziehen, verſiel er auf das ſonderbare Auskunfts⸗ mittel, weibliche Tracht anzulegen. Da Figur und das Geſicht dieſer Metamorphoſe nicht entſchieden widerſprachen, ſo ſcheint die⸗ ſelbe allgemeinen Glauben gefunden zu haben. In London fan⸗ den viele Wetten pro et contra ſtatt, aus denen mehrfache Pro⸗ zeſſe entſtanden, welche zu Gunſten ſeiner Weiblichkeit entſchieden wurden. Im Jahre 1777 kehrte er nach Paris zurück und er⸗ ſchien hier wieder als Mann; aber ein Befehl Ludwig XVI. nö⸗ thigte ihn, die Weibertracht von neuem anzulegen. Er erſchien nun als Ritterin d'Eon in ſchwarzem Kleide mit dem Ludwigs⸗ kreuze, rächte ſich aber für die ihm aufgezwungene Weiblichkeit durch die dragonerartigſten Gebehrden, Gewohnheiten und Worte. Als eine Dame ihn aufforderte, ſittſam und beſcheiden zu ſein, antwortete die Ritterin: verſchämt zu ſein, iſt mir unmöglich! Iſt es nicht auch ſeltſam, daß ich zur Cornette(Haube und Fähn⸗ drich) degradirt worden, nachdem ich ſo lange Dragonerhaupt⸗ mann geweſen? Im Jahre 1783 begab er ſich wieder nach England und ſcheint von hier aus mit dem Baron von Breteuil, Miniſter des königlichen Hauſes, korreſpondirt zu haben. Nach dem Ausbruch der Revolution richtete er eine Petition an die Natio⸗ nalverſammlung, worin er ſeinen Rang in die Armee wiederfor⸗ derte und erklärte, ſein Herz empöre ſich gegen ſeine Haube und ſeinen Weiberrock. Er blieb in England und kam durch den Verluſt ſeiner Penſion in ſo große Noth, daß er die ihm aufge⸗ drungene Sonderbarkeit als Erwerbsmittel benutzen mußte, indem er in weiblicher Kleidung Fechtſtunden gab. Noch 1809 glaubte der in die Geheimniſſe der franzöſiſchen Diplomatie tief einge⸗ weihte de Flaſſan, daß d'Con ein Weib ſei. Aber ſein am 21. Mai 1810 erfolgter Tod machte allen Zweifeln ein Ende; denn der Todtenſchein ergab, daß d'Eon vollſtändig ein Mann

geweſen.