Teil eines Werkes 
4. Bd. (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

d n ⏑—ͤ

N G d*—

—— Q̊

163

verſichern zu müſſen, daß ſie in ihrem ganzen Leben noch kein Rhinoceros geſehen und daß er ſich alſo nicht beleidigt fühlen dürfe, wenn ſie ſich getäuſcht.

Eines Tages ſaß ich im Foyer der italiäniſchen Ko⸗ mödie, wohin in den Zwiſchenakten die vornehmſten Herren kommen, um ſich mit den Schauſpielern zu unterhalten, welche ſich hier aufhalten, bis die Reihe an ſie kömmt, ne⸗ ben Camilla, Schweſter Carolinens, welcher ich Schmeiche⸗ leien ſagte. Ein junger Rath, welcher es übel nahm, daß ich ſie unterhielt, und welcher ſich in ſeinen Reden ſehr an⸗ maßend zeigte, griff mich wegen einer von mir über ein italiäniſches Stück ausgeſprochenen Anſicht an und machte ſeiner üblen Laune dadurch Luft, daß er meine Nation kri⸗ tiſirte. Ich antwortete ihm auf eine deſultoriſche Weiſe, in⸗ dem ich Camilla anſah, welche lachte, und die ganze Geſell⸗ ſchaft bildete einen Kreis um uns herum, um Zeuge des Kampfes zu ſein, der bis dahin nichs Unangenehmes hatte, da er nur mit geiſtigen Waffen geliefert wurde. Aber der⸗ ſelbe ſchien eine ernſthafte Wendung nehmen zu wollen, als der Stutzer das Geſpräch auf die Polizei brachte und ſagte, es wäre ſeit einiger Zeit gefährlich Nachts durch die Straßen von Paris zu gehen. Im Laufe des Monats, ſagte er, ſind auf dem Grève⸗Platz ſieben Perſonen gehängt worden, unter welchen ſich fünf Italiäner befinden. Das iſt durchaus nicht zu verwundern, verſetzte ich, denn anſtändige Leute laſſen ſich fern von ihrem Vaterlande hängen, wie denn z. B. im Laufe des vergangenen Jahres ſechszig Franzoſen zwiſchen Neapel, Rom und Venedig gehängt wurden. Fünfmal zwölf macht ſechszig, und Sie ſehen alſo, daß hier ein vollſtändiger Aus⸗ tauſch ſtattfindet. Die Lacher waren natürlich auf meiner Seite und der ſchöne Rath entfernte ſich einigermaßen ver⸗ legen. Einer der Anweſenden, welchem meine Antwort ge⸗ fallen hatte, näherte ſich Camilla und fragte ſie leiſe, wer ich wäre. So machte ſich die Bekanntſchaft. Dies war Herr von Marigni, den kennen zu lernen ich mich meines Bruders wegen freute, welchen ich von Tage zu Tage er⸗ wartete. Herr von Marigni war Oberintendant der könig⸗ lichen Bauten und die Malerakademie ſtand unter ihm. Ich

11*