Teil eines Werkes 
4. Bd. (1850)
Entstehung
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Ich melde ihm nun, was der König zu Herrn von Richelieu über ſie geſagt. Nun begreife ich, ſagte Se. Ex⸗ cellenz, warum Ginulietta nicht mehr vorgeſtellt ſein will. Ich habe ſogar ſpäter erfahren, daß Herr von St. Quentin, ge⸗ heimer Miniſter für Ludwigs XV. Privatbeziehungen, nach der Meſſe zu der ſchönen Venetianerin geſagt, daß der Kö⸗ nig von Frankreich einen ſchlechten Geſchmack haben müßte, da er ſie nicht ſchöner als mehrere andere Damen an ſeinem Hofe gefunden. Giulietta reiſte am nächſten Tage von Fon⸗ tainebleau ab.

Ich habe im Anfange meiner Memoiren von der Schön⸗ heit Giulietta's geſprochen; ſie hatte in ihrer Phyſiognomie außerordentliche Reize; aber ſie beſaß dieſelben ſchon zu lauge, als daß ſie nicht in Fontainebleau etwas welk hätten ſein ſollen.

Ich ſah ſie in Paris beim Geſandten wieder, und ſie ſagte lachend zu mir, ſie habe ſich nur aus Scherz Madame Querini genannt und ich würde ihr ein Vergnügen erwei⸗ ſen, wenn ich ſte in Zukunft nur bei ihrem wahren Namen Gräfin Preati nennen wollte. Sie bat mich, ſie im Hotel de Lurembourg, wo ſie wohnte, zu beſuchen. Ich ging oft hin, um mich an ihren Intriguen zu amuſiren, aber ich war verſtändig genug, mich nicht in dieſelben zu miſchen.

Sie blieb vier Monate in Paris und hatte das Talent, Herrn Zanchi, Sekretair der venetianiſchen Geſandſchaft, einen liebenswürdigen, adligen und ſchriftſtellernden Mann, in ſich verliebt zu machen. Sie machte ihn ſo verliebt, daß er ſie heirathen wollte; aber aus einer Laune, die ſie viel⸗ leicht ſpäter bereute, behandelte ſie ihn ſchlecht und der Narr ſtarb vor Kummer darüber. Der Graf von Kaunitz, Geſandter Maria Thereſia's, ſo wie der Graf von Zinzen⸗ dorf fanden Geſchmack an ihr. Der Vermittler dieſer vor⸗ übergehenden Liebſchaften war ein gewiſſer Abbé Guaſco, welcher wenig mit den Gaben des Plutus begünſtigt war, und welcher deshalb nur durch ſeine Gefälligkeiten einige Gunſt zu erlangen hoffen durfte. Aber der Mann, auf wel⸗

chen ſte es abgeſehen hatte, und welcher ſie geheirathet ha⸗ ben würde, war der Graf von St. Simon. Dieſer Graf

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