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rin ſo ſehr verletzt hatte; und ich bezweifle durchaus nicht, daß Frau von Pompadour, als ſie ſich um die Bekannt⸗ ſchaft des Herrſches bewarb, ſich in dieſe ſchöne Phyſiogno⸗ mie verliebt hatte. Ich täuſchte mich vielleicht; aber die Fi⸗ gur Ludwigs XV. zwang die Zuſchauer ſo zu denken.
Ich gelangte in einen ſchönen Saal, wo ich ein Dut⸗ zend Hofleute finde, welche auf- und abgehen, und eine Tafel von wenigſtens zwölf Couverts, welche indeß nur für eine Perſon gedeckt war.
Für wen iſt dieſes Couvert?
Für die Königen. Dort kömmt ſie.
Ich ſehe die Königin von Frankreich eintreten; ſie trug keine Schminke, war einfach gekleidet, hatte eine große Haube auf dem Kopfe und ſah alt und fromm aus. Als ſie ſich dem Tiſche genähert hatte, dankte ſie auf eine anmu⸗ thige Weiſe zwei Nonnen, welche einen Teller mit friſcher Butter auf den Tiſch geſetzt hatten. Sie ſetzte ſich und ſo⸗ gleich reihten ſich die Hofleute in einem Halbkreiſe in einer Entfernung von zehn Schritten um den Tiſch herum; ich blieb in ihrer Nähe und ahmte ihr ehrfurchtsvolles Schwei⸗ gen nach.
Ihre Majeſtät begann zu eſſen, ohne Jemand anzuſe⸗ hen und hielt die Augen auf ihren Teller geſenkt. Als ſie ein Gericht gut fand, aß ſie noch einmal davon, und durch⸗ lief nun mit den Augen den vor ihr ſtehenden Kreis, ver⸗ muthlich um zu ſehen, ob ſich darunter Jemand befände, mit welchem ſie von den Leckerbiſſen ſprechen könnte. Sie fand denſelben und ſagte: Herr von Löwendal!
Jetzt ſehe ich einen ſchöngewachſenen Mann ſein Haupt neigen und herantreten. Madame! ſagt derſelbe.
Ich glaube, daß dieſes Ragout ein Hühnerfricaſſée iſt.
Ich bin dieſer Anſicht, Madame.
Nach dieſer mit der ernſteſten Miene ertheilten Antwort fährt die Königin fort zu eſſen, und der Marſchall geht rück⸗ wärts auf ſeinen Platz zurück. Die Königin beendete ihr Eſſen, ohne weiter ein Wort zu ſagen und kehrte, wie ſie gekommen, in ihre Gemächer zurück. Ich dachte bei mir,


