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wurde ich indeß durch den Anblick einer wahren Schönheit überraſcht. Ich frage, wer dieſe Dame iſt. Es iſt, ant⸗ wortete der Herr, der neben mir ſtand, Frau von Brienne, die noch tugendhafter als ſchön iſt, denn nicht nur weiß man keine Geſchichten von ihr zu erzählen, ſondern ſie hat auch nicht einmal der Verläumdung den geringſten Vorwand gegeben, eine ſolche zu erfinden.
Vielleicht hat man nichts erfahren.
O, mein Herr, am Hofe erfährt man Alles.
Ich ſtrich allein in den innern Gemächern umher, als ich plötzlich ein Dutzend häßlicher Frauen erblickte, welche mehr zu laufen als zu gehen ſchienen; ſie ſtanden ſo ſchlecht auf ihren Beinen, daß man fuͤrchten mußte, ſie würden mit dem Geſichte auf die Erde fallen. Da Jemand in meiner Nähe ſtand, ſo trieb mich die Neugierde ihn zu fragen, wo⸗ her dieſelben kämen und warum ſie ſo gingen.
Sie kommen von der Königin, welche ſich zu Tiſche ſetzt und ſie gehen ſo ſchlecht, weil ihre Pantoffeln ſechs Zoll hohe Abſätze tragen; um nicht zu fallen, müſſen ſie da⸗ her mit gebogenen Knieen gehen.
Warum tragen ſie nicht niedrigere Hacken?
Es iſt einmal ſo Mode.
O, die thörichte Mode!
Auf gutes Glück trete ich in eine Gallerie und ſehe den König vorübergehen, welcher ſich mit dem Arme der ganzen Länge nach auf Herrn von Argenſon ſtützt. O, knechtiſcher Sinn, dachte ich bei mir; wie kann ein Menſch ſich einem ſolchen Joche unterwerfen und wie kann ſich ein Menſch ſo erhaben über andere glauben, um ein ſolches Be⸗ nehmen anzunehmen!
Ludwig XV. hatte den ſchönſten Kopf, der ſich denken läßt und er trug ihn mit ebenſoviel Anmuth wie Majeſtät. Nie iſt es einem geſchickten Maler gelungen, den Ausdruck dieſes prachtvollen Kopfes wiederzugeben, wenn der Monarch ſich umdrehte, um Jemand mit Wohlwollen zu betrachten. Seine Schönheit und ſeine Anmuth erzwangen die Liebe von vorn herein; als ich ihn ſah, glaubte ich die ideale Majeſtät gefunden zu haben, deren Abweſenheit mich in Tu⸗


