Teil eines Werkes 
4. Bd. (1850)
Entstehung
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an mich und ſagte, wahrſcheinlich ſchlöſſen die Fenſtern mei⸗ nes Zimmers nicht gut. Ich antwortete ſogleich, er täuſche ſich, denn meine Fenſtern wären calfoutrirt. Sogleich brach die ganze Loge in Lachen aus und ich war beſchämt, denn ich ſah ein, welchen Fehler ich gemacht, denn ich hätte calfeutrirt*) ſagen müſſen. Aber dieſes eu's und ou's ſind die Qual der meiſten fremden Nationen.

Eine halbe Stunde darauf fragte mich Herr von Ri⸗ chelieu, welche von den beiden Schauſpielerinnen mir am beſten gefiele.

Dieſe da, mein Herr.

Aber ſie hat häßliche Beine.

Man ſieht ſie nicht, Monſieur, und ſodann ſind die Beine das Erſte, was ich bei der Unterſuchung der Schön⸗ heit einer Frau beſeitige.**)

Dieſes zufällig geſagte Wort, deſſen Bedeutung ich nicht fühlte, giebt mir ein Anſehen und machte die ganze Loge neugierig, mich kennen zu lernen. Den Marſchall erfuhr von Herrn von Moroſini, wer ich wäre, und dieſer theilte mir im Auftrage des Herzogs mit, daß ich ihm ein Ver⸗ gnügen erweiſen würde, wenn ich ihm meine Aufwartung machen wollte. Von den auswärtigen Miniſtern hätte ich die meiſte Zuneigung für Mylord Marſchall von Schottland Keith,»ee) welcher den König von Preußen vertrat. Ich werde noch Gelegenheit haben, von ihm zu ſprechen.

Am Tage nach meiner Ankunft in Fontainebleau ging ich allein an den Hof und ſah Ludwig XV. ſo wie die ganze königliche Familie und die Damen des Hofes in die Meſſe gehen, welche letztere mir ebenſo ſehr durch ihre Häß⸗ lichkeit, wie die in Turin mir durch ihre Schönheit auf⸗ gefallen waren. Unter ſo vielen häßlichen Frauenzimmern

*) Calfeutrer, die Ritzen verſtopfen; um übrigens das Ge⸗ lächter ganz zu würdigen, muß man an die Bedeutung von foutre denken..

**) Jécarte les jambes.

) Keith, den Caſanova irrthümlicher Weiſe ſchon in Con⸗ ſtantinopel geſehen zu haben glaubte, war 1780 als außerordent⸗ licher Geſandter nach Paris gekommen.